Veraltete und abgelutschte Metaphern

Kürzlich scheute ich mich, die Metapher „feuchtfröhliche Feier“ zu benutzen, obwohl mir klar war, dass jede(r) die Feier unmittelbar vor Augen hätte: „Feuchtfröhlich“ gleich alkoholisierte Lustigkeit. Stattdessen schrieb ich: „Das klang nach fröhlichen Feiern mit Alkohol“, was umständlicher ist und gemessen an „feuchtfröhlich“ ziemlich lahm. Warum also nicht gleich so? Die Metapher „feuchtfröhlich“ bringt zwar das Gemeinte auf den Punkt, ist aber durch häufige Verwendung schon ziemlich abgelutscht. Kürzlich las ich, dass von den Großeltern abgenagt- und gelutschte Hühnerknochen, unter fließendem Wasser abgespült, noch immer gut waren für eine schmackhafte Suppe. Wer es mag …

Obwohl „feuchtfröhlich“ einen Urheber haben muss, ist es Allgemeingut geworden, weil’s schon so viele Leute im Mund gehabt haben. Also lieber etwas Frisches, was nicht vorgekaut wurde … fällt mir aber grad nicht ein.

Der Sprachphilosoph Fritz Mauthner vertritt die Ansicht, alle unsere Wörter seien versunkene Metaphern, aber wenn der Hühnerknochen nicht gänzlich zernagt, sondern als solcher noch zu erkennen ist, sträubt sich mir die Feder. ZOUNDS, schon wieder was vom Federvieh! Die Metapher von der sich sträubenden Feder geht zurück auf den zugeschnittenen Gänsekiel.

aus: Wolfgang Fugger; Ein nutzlich und wolgegrundt Formular Manncherley schöner Schriefften, 1553 (Klicken)

Durch häufigen Gebrauch konnte die Spitze ausfasern und sich beim Niederschreiben sträuben. Unsere Schreibgeräte wurden im Lauf der Jahrhunderte weiterentwickelt, aber die Metapher von der sich sträubenden Feder lässt sich nicht sinnvoll aktualisieren. Zwar konnte sich eine metallene Spitzfeder noch sträuben, nämlich unter zu grobem Handdruck aufspalten, aber schon die Gleichzugfeder im Füllfederhalter war gegen Zerspaltung gefeit. „Da sträuben sich mir die Tasten“, geht auch nicht. Diese Plastikdinger sind unverwüstlich, zumal sie sich willfährig bei jedem Anschlag wegducken. Wieder ein Wort, das der Entwicklung hinterherhinkt, denn „Anschlag“ meint den lauten Aufschlag des Typenhebels der mechanischen Schreibmaschine auf den Papierbogen. Auf die disfunktionale und nicht beherrschte Tastaturanordnung rekurriert die Metapher „Adler-Suchsystem.“ Da die mechanische Adler-Schreibmaschine inzwischen museal ist, wird’s bald niemand mehr verstehen, auch nicht, wenn der Schreiber dieser Zeilen angibt, nach der polizeibekannten Terroristenmethode zu tippen: „Jede Sekunde ist mit einem Anschlag zu rechnen.“