Zeitenwandel

Ich kann mich gar nicht mehr aufregen über die Zeitumstellung, höchstens über Texte, die mir immer noch deren Unsinnigkeit erklären. Jaaa! Ich weiß es. Die blödsinnige Uhrzeiger-Rochade nehme ich inzwischen hin wie das Wetter und funktioniere wie der gutmütige Trottel, der im Herbst auf Geheiß seine Terrassenmöbel zurück in Garage oder Keller schleppt und im Frühling brav wieder hervorholt. Die Möbel im Winter draußen zu lassen, bekommt ihnen nicht. Das kann sich jeder denken, auch wer gar keine Gartenmöbel hat. Und schon erscheint eine widernatürliche Zeitumstellung jedes halbe Jahr wie ein sinnvoller Akt.

Kongenial diese Sitzmöbelmetapher!
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Es hat ja auch Zeiten gegeben, da konnte ich mich über die unhandliche Qwertz-Tastatur aufregen. Zumindest habe ich das Zehnfingersystem nicht lernen können, nachdem ich herausgefunden hatte, dass diese Tastaturanordnung auf die mechanische Schreibmaschine des Waffenfabrikanten Philo Remington zurückgeht. Aber he! Waffen schaffen Frieden, lerne ich heute, also ist Remington posthum rehabilitiert. Das neue gute Image von Waffenhandel nutzt mir aber gar nichts. Erstens ist Waffenhandel für mich immer noch ein schmutziges Geschäft, auch wenn er heute euphemistisch „Waffenlieferung“ heißt und zweitens konnte ich mich noch nie gut umstellen, heute weniger denn je: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“

Zeitumstellung und Qwertz-Tastatur sind exemplarisch für das Phänomen, dass einmal eingeführte Systeme die Tendenz haben, sich zu erhalten. Ihr Sinn und die Gründe ihres Entstehens geraten in Vergessenheit und niemand weiß, wie ein solches System noch zu ändern ist. Irgendwann haben sich alle unterworfen, und der Impuls zur Veränderung schwindet. Auf einem Gemälde sah ich eine Herde Wildpferde in Schneetreiben und Sturm. Die Pferde hatten den Hintern in den Wind gedreht und scharten sich eng zusammen. Daran sollte man sich ein Beispiel nehmen: Tun, was alle in der Herde tun, Kopf nach unten und Hintern voraus, das spart Energie und Ressourcen.