Plausch mit Frau Nettesheim – Schmunzeln über die Kinzig-Murg-Rinne


Trithemius
Gestern habe ich durch Selbstbeobachtung ein neues Phänomen entdeckt, Frau Nettesheim.

Frau Nettesheim
Und das wäre?

Trithemius
In der Titanic-Rubrik „Briefe an die Leser“ las ich online folgenden Brief, über den ich sehr lachen musste:

Frau Nettesheim
Sie mussten lachen. Ist das Ihr neuentdecktes Phänomen?

Trithemius
Quatsch! Nachdem ich so lachen musste, las ich in Klaus Grafs Archivalia-Blog: „Ortenau-Website hat neue Heimat“, klickte den Link zur Ortenau-Website an und las: „Die Breite der Rheinebene in der Ortenau beträgt 10 bis 12 km. In die Niederterrasse hat der Rhein seinen Lauf gegraben. Entlang des Rheins verlief einstmals ein weiterer Fluß, in den Schutter, Kinzig, Rench, Acher, Bühlot (auch Sandbach genannt), Oos, Murg, Alb u.a. flossen und der nach seinen 2 größten Zuflüssen Kinzig-Murg-Rinne genannt wird und bei Hockenheim in den Rhein mündete. Einzelne Abschnitte dieses Flusses bestanden noch in historischer Zeit und wurden von den alamannischen Siedlern ausgespart. (…)“ Da hab ich zwar nicht schallend gelacht, aber musste schmunzeln, weil mir alles wie ein Witz vorkam.

Frau Nettesheim
Das würde den Ortenauern wohl kaum gefallen.

Trithemius
Aber denken sie, Frau Nettesheim, weil die Komik des Briefs der Eintrittspunkt meines Denkens war, las ich das Folgende auch als Witz. Es war quasi „Übersprung-Interpretation.“

Frau Nettesheim
Hat nicht der maltesische Kreativitätsforscher Edward de Bono schon etwas Ähnliches beschrieben? Ihr Übersprungseffekt ist die Beeinflussung eines Urteils durch vorherige Erfahrungen.

Trithemius
Hat er Ihr de Bono auch gesagt, dass es abhängt vom langsamen Fließen der Säfte? Nein. Das habe ich nämlich in einem anderen Zusammenhang entdeckt: Wenn ich glaubte, etwas verloren zu haben und zu Hause meinen Irrtum bemerkte, weil friedlich auf dem Tisch lag, was ich verloren glaubte, bei diesen Gelegenheiten habe ich beobachtet, dass sich zwar Erleichterung einstellt, aber das Verlustgefühl nicht sofort weicht. Offenbar werden bei einem vermeintlichen Verlust Botenstoffe ausgeschüttet, die sich erst langsam abbauen. Es ist plausibel, dass Botenstoffe sich über den Blutkreislauf langsamer bewegen als der Gedankenfunke von Synapse zu Synapse springt. Demgemäß sind unsere tiefen Gefühle langsamer als unsere Gedanken. Das gilt natürlich auch für die Anlässe der Heiterkeit. Die Botenstoffe der Heiterkeit werden nur langsam abgebaut und bewirken die Übersprung-Interpretation. Da sind sie platt, was, Frau Nettesheim?

Frau Nettesheim
Nicht ganz. Demnach hätten Sie das linguistische Psychodoping beschrieben.

Trithemius
Aber Vorsicht! Ist wie jedes Doping illegal.