… um Ulm und

Einmal zuvor in meinem Leben bin ich in Ulm gewesen, und zwar im Alter von 15 Jahren. Vier Freunde und ich fuhren von unserem Heimatort nahe Köln mit dem Fahrrad zum Bodensee. Auf der Rückfahrt haben wir am Ulmer Münster gehalten, sind die 768 Stufen hinauf gestiegen und sahen 142 Meter hinab auf das Ameisengewimmel der Passanten. Meine schwäbische Lebensgefährtin ist kürzlich mit Verwandten oben gewesen. Zwei wollten nicht mit, sondern blieben unten auf einem Bänkli zurück. Man habe von oben zum Bänkli eine WhatsApp geschickt. An der späten Reaktion derer auf dem Bänkli sei abzulesen gewesen, dass die Nachricht erstaunlich lange gebraucht hat.

Natürlich nimmt eine WhatsApp-Nachricht nicht den überschaubaren Weg, plumpst nicht einfach hinab, sondern fliegt zu einem fernen Rechenzentrum in die USA, dann vielleicht zu einem die Erde umkreisenden Satelliten, wird von dort einmal um den Erdball geschickt, trudelt in ein anderes Rechenzentrum und dann erst in die Smartphones der Wartenden.

Der Pfennig, den ich einst im jugendlichen Leichtsinn vom Ulmer Münster geworfen habe, brauchte gar nicht lange, versetzte mich aber in Angst und Schrecken, weil er ebenfalls nicht senkrecht hinunter auf den freien Vorplatz fiel. Etwa auf halber Höhe verließ er den direkten Weg, legte sich auf die Seite, beschrieb einen Bogen und trudelte unwägbar nach unten. Böse Zungen werden behaupten, der eigenwillige Pfennigflug zeige, dass ich schon früh nicht mit Geld umgehen konnte. Aber als unser schwäbischer Gastgeber bemerkt: „Der Pfennig war ja weg“, wird mir klar, dass es nicht darauf ankommt, ob einer die Flugbahn weggeworfener Münzen oder Scheine einschätzen kann. Vielmehr geht es darum, das Geld nicht aus dem Fenster oder wie ich von hohen Türmen zu werfen, sondern bei sich zu behalten.

Fortsetzung

Musiktipp
Noordkaap
Satelliet S.U.Z.Y

2 Kommentare zu “… um Ulm und

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