In Ulm und …

„Wohin soll die Reise gehen?“, fragt der afghanische Taxifahrer.
„Nach Ulm.“
Er überlegt kurz und fragt: „Wie heißt das noch:“ In Ulm und um Ulm und… “
„… um Ulm herum. “
Erstaunlich, dass der Mann den Zungenbrecher kennt. Er sei seit 25 Jahren in Deutschland, erzählt er in flkießendem Deutsch. Nur an seiner Aussprache ist noch zu hören, dass seine Stimmwerkzeuge ursprünglich für eine andere Sprache geformt wurden. Was macht so einer mit deutschen Zungenbrechern? Und wieso kennt er den mit Ulm? Ich versäume, ihn zu fragen.

Eventuell hatte er im Deutschkurs einen Lehrer aus Ulm, was eher unwahrscheinlich ist. Der Taxifahrer würde wenigstens ein bisschen schwäbeln. Vielleicht hatte er einst einen im Taxi, der mit dem Zug nach Ulm wollte, sich zum Bahnhof fahren ließ und im Überschwang der Vorfreude den Zungenbrecher geprobt hat. Der Taxifahrer fragt mehrmals nach, und ich muss jedesmal „In Ulm und um Ulm …“ intonieren. Schaden kanns nicht, ist ja fast eine logopädische Übung. Eventuell ist die saubere Aussprache des Sprüchleins die Eintrittskarte für Ulm.

Freilich habe ich keine Gelegenheit, das herauszufinden. Unser freundlicher Gastgeber holt die Schwäbin und mich sogleich am Ulmer Hauptbahnhof ab, um uns nach Neu-Ulm zu fahren, was bekanntlich schon in Bayern liegt, wo eigene Gesetze gelten. Ulm ist quasi Grenzort zwischen Baden-Württemberg und Bayern. Immerhin ist unterwegs das Ulmer Münster zu sehen, weil dieser höchste Kirchturm der Welt mit seinen 161,53 Metern alles andere Menschenwerk überragt.

Fortsetzung