Die Poesie der Liste

Im hintersten Winkel meiner Festplatte fand ich heute eine Liste, die ich im Jahr 2003 erstellt habe. Dort sind SF-Romane aufgelistet, die im Zeitraum 1968 bis 1982 Jahre im Heyne Verlag erschienen sind und sich in meinem Besitz befanden. Im Jahr 2003 hauste ich nach einer Trennung in einem dunklen Eineinhalb-Zimmer-Apartment eines großen Neubaus in Aachen-Burtscheid. Ich hatte mir die Wohnung angesehen, als die Morgensonne hineinlugte. Zu anderen Tageszeiten lag sie im Schatten des darüberliegenden Balkons. Mein Leben verlief damals wie eine Achterbahnfahrt. Es gab nur jauchzende Höhen und niederdrückende Tiefen, selten Mittellagen, die mich zur Ruhe kommen ließen.

Damals entdeckte ich für mich den Internetmarktplatz Ebay und wusste endlich, was ich mit gut 400 SF-Taschenbüchern tun sollte, die ich aus Platzmangel lieblos im Keller aufbewahrte. Ein Schritt zurück:

Ende 1968 arbeitete ich zusammen mit meinem älteren Bruder in einer Kölner Druckerei. Zu unserem Feierabendritual am Freitagnachmittag gehörte, ins Zentrum zu fahren und in der Buchabteilung von Karstadt nach neuen SF-Büchern auszuschauen, die in einer Reihe aus dem Heyne Verlag erschienen. Mein Interesse an SF-Literatur hat mich auch während des Studiums in den 1970-er Jahren nicht verlassen. Einige Jahre zeichnete und gestaltete ich monatlich eine Seite für die Studenten-Zeitschrift „Aachener Prisma.“ Honorar gab es keines, aber man konnte bei einer Mitarbeiterin Rezensionsexemplare von Neuerscheinungen ordern. Das war besonders bei teuren Fachbüchern nützlich.

Irgendwann bat ich, bei SF-Verlagen Rezensionsexemplare zu bestellen. Ich wolle einen Aufsatz über Science Fiction verfassen. Ab dann sandte der Heyne Verlag regelmäßig seine gesamte Monatsproduktion, ohne ja eine Gegenleistung zu bekommen oder zu verlangen. Schenke einem Sammler die komplette Sammlung, und er wird das Interesse verlieren. So ging es auch mir. Die Bücher wurden mir lästig. Die meisten stellte ich ungelesen ins Regal, wo sie in zwei Reihen hintereinander verstaubten. Bei meinem Umzug nahm ich sie mit und deponierte sie im Keller. Für den Verkauf bei Ebay erstellte ich die Fleißarbeit der Liste. Ich glaube, ein Mann aus Freiburg hat die Sammlung für 440 DM gekauft. Die TB wären heute viel mehr wert, weil einige Titel lange vergriffen sind. Aber ich war jung brauchte das Geld.

Eine von 12 Seiten der Liste:

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7 Kommentare zu “Die Poesie der Liste

  1. Das kenne ich auch – – Listen schreiben. Umso einsamer und verlorener ich mich vor vielen Jahren fühlte, desto längere (Bücher-)Listen fertigte ich an. Von Verlagen deren Werke ich sammelte..besass.. und noch suchte. März Verlag. Rororo Monographien. Diederichs Verlag. Rowohlt dnb (das neue buch). rde – Rowohlts deutsche Enzyklopädie. Jede einzelne dieser Listen wäre eine eigene Geschichte wert.
    Alle diese Werke sind längst wieder in den Warenkreislauf zurückgekehrt.

    Dein Schlüsselsatz: „Schenke einem Sammler die komplette Sammlung, und er wird das Interesse verlieren.“ Klasse.

    Schöne Grüsse,
    Robert

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    • Du hast ähnliche Erfahrungen. Zum „Schlüsselsatz“: Eine Weile sammelte ich alte Duden Ausgaben mit dem Ziel, alle vollständig von 1903 an zu besitzen und so die Entwicklung unserer Orthographie verfolgen zu können. Bis eine Freundin auf die Idee kam, mir fehlende Ausgaben bei ebay zu ersteigern und meine Sammlung Weihnachten zu komplettieren. Seither ist mein Interesse deutlich gesunken.

      Gefällt 1 Person

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