Die Archivare des Entlegenen

Wer genötigt ist, einen Artikel für eine große Zeitung zu schreiben, dem stellt deren Dokumentationsabteilung eine Mappe mit Artikeln zusammen, die zu diesem Thema bereits erschienen sind. Die gilt es zu sichten und beim Schreiben auswertend heranzuziehen. Beim Denken scheint es mir ähnlich zu sein. Man hat ein Thema gewählt, und sogleich eilen willfährige Archivhelfer umher und sammeln ein, was im eigenen Kopf über das Thema zu finden ist. Besonders lieb sind mir jene, die etwas Entlegenes anschleppen, egal, ob es zu gebrauchen ist. Es darf auch verstaubt sein oder nur noch in Fetzen vorliegen wie ein Jahrhunderte Jahre altes Schriftstück.

Möglicherweise regt es ja Gedanken an, auf die man sonst nicht gekommen wäre. Darum ist es ratsam, in der Sammelphase offen zu sein und nicht etwas sofort zu verwerfen, nur weil es auf den ersten Blick unnütz erscheint.

Man darf nämlich die Archivare des Entlegenen nicht vor den Kopf stoßen. Lässt man sie gleichberechtigt hantieren, stärkt das ihr Selbstbewusstsein und fördert ihren Arbeitswillen. Ich habe mich Zeit meines Lebens für das Entlegene interessiert, auch und besonders in den Jahrzehnten der Forschung zum Thema „Buchkultur.“ Heraus kam ein Werk, das die Gegenstände und Phänomene durchaus plausibel beschreibt, quasi von ihren Grenzbereichen her.

Geht es denn hier noch weiter im Text? Leider ist den Archivaren zu warm, und das Entlegene herbeizuschaffen, ist ihnen heute zu mühsam. Man wird sich gedulden müssen.

15 Kommentare zu “Die Archivare des Entlegenen

  1. Meine Archivare kommen oft ganz unerwartet, zb sehe ich eine nette Pflanze, denke „oh, die ist aber hübsch, was das wohl ist“ und irgendwas in mir antwortet „Taubenkropf Leimkraut“ . Das ist mir manchmal fast unheimlich. 🙂

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  2. lieber jules, auf diesem weg ein fauler gruß, das heisst nicht der gruß stinkt und fault vor sich hin, sondern der grüßenende. jede auch noch so schöne, graziele bewegung mit den fingern führt zu vulkanartigen schweissausbrüchen, die selbt mit optimal gekühlten fränkischenen biers nicht zu stoppen sind. die mischung aus schweiss und tränen, ließ die praktikanten frühzeitig flüchten. sie ahnten schon, bei scheiß und tränen wirds nicht bleiben. flatolenzen. hitze und vorallem schwüle hitze mit übermäßigen konsum handwerklich gebrauten bieres führen in der regel zu solchen. gerne isst man karotten oder mohrrüben (darf man das noch schreiben, mohrrübe, ich finde gelbe rübe viel schlimmer, da fällt mir ein mein kleiner neffe trank bis er das storze alter von 5 jahren erreichte nur karottensaft! der hatte schon mehr als eine gelbe rübe), die lockern ja bekanntlich den stuhl. mit knoblauch und olivenöl, etwas salz ist das auch ein prima sommersnäck – entsprechend formuliert sich flatolenz. ich glaube deshalb sind archivare*innen auch oft alleine am arbeitsplatz, bei denen kommt oft noch angst- und kaffeeschweiß hinzu. jedensmal wenn einer fragt – ich schwoff ab (helge ist der beste). kurzum: liebe grüße cd:)

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    • Lieber Christian,
      ich hoffe, es hat ein wenig Abkühlung gegeben und inzwischen sind die Temperaturen wieder erträglich im Atelier. Als ich bei dir war, hast du noch den Ofen befeuert, und jetzt sind sogar deine Praktikanten vor der Sonnenhitze geflüchtet?
      Beste Grüße zurück aus Hannover
      Jules

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  3. Pingback: Entlegen

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