Frau Boes und ich

Man soll nicht denken, dass Recycling eine neue Erfindung wäre. In meiner Kindheit zog ein sogenannter Lunpensammler mit seinem Karren durch unsere Dorfstraßen, läutete eine schwere Handglocke und rief in gebührenden Abständen: „Lumpen, Eisen, Papier!“ Die Leute kamen aus den Häusern und brachten ihm das Gewünschte. Weil sich in meinem Kopf die Namen unzähliger Leute aus Presse, Film und Fernsehen breitmachen, fürchte ich, mein Gehirn führt ein Eigenleben als Lumpensammler. Ich läute freilich keine Handglocke, muss das gar nicht, denn es gibt genug mediale Distributionskanäle, aus denen Unerwünschtes auf die Pfade meiner Wahrnehmung pladdert.

Die übelste Schleuder ist das Fernsehgerät mit seinem Krakenarm, der Fernbedienung. Diese Extremität verleitet zum zappenden Suchen nach lohnender geistiger Nahrung. Müsste man für jeden Programmwechsel eigens aufstehen, um einen Knopf am TV-Gerät zu betätigen, täte man etwas für die körperliche Fitness, besonders aber für die Psychohygiene. Beim faulen Zappen muss mir also irgendwann ungefiltert der Name Mirja Boes ins Hirn geschwappt sein. Ich habe sogar, ohne es zu wollen, ihr Gesicht abgespeichert, so dass ich letztens von ihr träumen konnte.
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