Schmarotzerpflanzen

Van Gaderen und ich schritten durch das Viertel mit heruntergekommenen Wohnblocks, für die wir als Architekten verantwortlich waren. An einer Fassade sahen wir ein gewaltiges Efeugewächs mit armdicken Ranken und Trieben. Ein Trieb war zu einem Fenster hinüber gewuchert und hatte sich offenbar längs unter der Fensterbank verankert. Wir kamen überein, dass die Ranke entfernt werden müsste, denn sie drohte das Fenster auszuhebeln. In der Wohnung lebte laut unserer Liste eine Frau Michalski. Wir beschlossen, Frau Michalski aufzusuchen und die Efeuranke von ihrem Fenster aus abzusägen. In der Halle des Wohnblocks befand sich das Büro der Wohngesellschaft.

Dort wartete eine lärmende Menschenmenge auf Abfertigung. Mir schien, dass einige Mieter bereits längere Zeit ihr Bad nicht benutzt hatten. Der Geruch war abstoßend. Aus dem Stimmengewirr hörte ich Klagen:
„Seit Tagen nur braune Brühe aus dem Wasserhahn!“
„Heizung geht nicht“
„Kein Licht, kein Strom!“
„Toilette verstopft“
„Aus der Decke tropft Wasser!“
„Schimmel an den Wänden. Mein Kind hustet ständig.“
Die beiden Mitarbeiter der Wohngesellschaft, ein Mann und eine Frau, waren heillos überfordert. Van Gaderen trat hinzu und befahl: „Ich hoffe doch, dass alle Schadensmeldungen sorgfältig aufgeschrieben werden. Dokumentation ist alles.“
„Jawohl, Herr van Gaderen. Wir haben ja unseren Meldeblock“, sagte der Mitarbeiter unterwürfig. Der Block im Format DIN-A5 mit Vordrucken war gelumbeckt. Darauf unter dem Logo der Wohngesellschaft vier Spalten: Name, Hausblock, Nummer, Schaden. Der Mitarbeiter fragte flugs die Daten ab und füllt einen Vordruck aus, um ihn abzureißen und nach hinten seiner Kollegin zu reichen. Die Mitarbeiterin nahm das ausgefüllte Formblatt entgegen und schob es, für die Menge unsichtbar, in den Reißwolf. Weiterlesen