Erklärungssagen der Deutschen Bahn (1) – Heute: „Verspätete Bereitstellung des Zuges“

Die Durchsagen im Kölner Hauptbahnhof gehen im durchdringenden Lärm ein- und ausfahrender Züge unter. Aus dem Tohuwabohu tönt kaum verständlich: „Der Zug nach Dingenskirchen (?) hat 15 Minuten Verspätung. Grund dafür ist eine verspätete Bereitstellung des Zuges.“
„Verspätete Bereitstellung des Zuges“, soso. Wie mag das zugegangen sein? Hatte ein Lokführer am Vorabend ein kräftezehrendes amouröses Abenteuer mit einer Bahnhofswirtin im Hinterwald? Und dann wurde er verspätet wach im Lotterbett, versuchte rasch in seine Hose zu steigen, verhedderte sich in einem tückisch verdrehten Hosenbein, ach nein, es war wohl so:

Die liebestolle Wirtin hat ihm ein Hosenbein verknotet, damit er sich nicht heimlich davonmachen kann mit seinem Triebwagen. Also, der Mann erwacht, hört die Vögel singen, springt aus dem Bett; ihn ruft die Pflicht. Er ist schon auf dem Weg zum Dienst, als sein Bein in der Hose steckenbleibt. In der Hast fällt er aus der Schlafzimmertür und die Treppe hinunter. Die Wirtin erwacht vom Poltern auf der Treppe, ergreift die Trillerpfeife und begleitet seine schändliche Flucht mit schrillen Pfiffen, nein, sie wirft den rosafarbenen Morgenmantel über, eilt zum Treppenabsatz und ruft ihm hinterher: „Wolltest dich wohl einfach wegstehlen? Du bist auch nicht besser als alle anderen.“ Der Lokführer rappelt sich hoch, gewahrt, dass er einen Knoten im Hosenbein hat und ruft: „Das, du notgeile Rosi, wirst du noch bitter bereuen!“, trampelt die hinderliche Hose nieder und entert mit blankem Hintern die im Hinterwälder Hauptbahnhof herumstehende Lok, um sie anzuwerfen und diensteifrig, kein Mensch weiß wo, bereitzustellen, doch ist 15 Minuten verspätet. Genauso? Ein Glück, dass die Bahnkunden rechtzeitig informiert wurden.