Keine Erbsengerechtigkeit

Ich sitze im Speisesaal. Eine junge schmale Inderin tritt neben mich, nimmt einige Radieschenscheiben von meinem Teller und bringt sie hinüber zum Teller auf dem Tisch des Nebenmanns.
Ich rufe: „Hallo!? Was sind das für Mucken? Die Radieschen hätte ich noch essen wollen. Zwar lege ich keinen gesonderten Wert auf Radieschen, aber ich hätte sie gegessen, damit der Kerl am Nebentisch sie nicht bekommt.“
Sie schaut verwundert: „Mein Herr, das sind aber atavistische Regungen. Man kennt derlei von Affen, aber ein kultivierter Mensch sollte sich frei machen können von Futterneid. Neid ist übrigens eine Todsünde!“

„Was wissen denn Sie von Todsünden? Wäre ich eine junge schlanke Inderin, könnte ich auch schlau daher reden, aber würde mich nicht erfrechen, wildfremden Männern in den Teller zu greifen und ihnen Radieschenscheiben zu stibitzen.“
„Ich habe mich nur um Radieschengerechtigkeit bemüht.“
„Aja? Und was ist mit seinen Erbsen? Warum kümmern Sie sich nicht um Erbsengerechtigkeit für mich?“
„ Erbsengerechtigkeit! Pah! So ein Quatsch!“