Burtscheider Kursplitter 11 – Symbolisches

Zounds! Ich mag keine Fingerherzen mehr sehen. Anfangs war ja noch originell, mit zwei Händen ein Herz zu formen, das in unserer Kultur Liebe symbolisiert. Inzwischen zeigt jeder Depp ein Fingerherz, vornehmlich in der Werbung. Eingeweihte wissen, dass bei allen geschäftlichen Abläufen die große Liebe im Spiel ist. Die ganze Welt ist ein Ponyhof mit rosafarbenem Sonnenaufgang. Beim Abendessen unterhalten sich zwei Frauen am Nebentisch über ihre Hunde und wie die zu kacken belieben. Dabei essen sie fleißig weiter. Plötzlich fliegt ein Wortfetzen von einem großen Haufen zu mir herüber. Das ist genau die Welt, in der Fingerherzen gezeigt werden.Allerhand Leute kommen aus Eschweiler nahe Aachen: Frau Michaela Schaffrath, besser bekannt als Pornodarstellerin Gina Wild, und jetzt die Hochstaplerin Anna Sorokin, Tochter eines LKW-fahrers. Im Jahr 2013 war ihr gelungen, als angebliche Millionenerbin in New Yorks High Society aufzusteigen. Sie betrog eine Reihe von Gläubigern um insgesamt 275.000 US-Dollar. Im Oktober 2018 wurde sie verhaftet und zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Inzwischen hat man sie nach Deutschland abgeschoben. Mein Schwiegersohn berichtet, dass US-Medien nach Eschweiler gekommen seien und ein kurioses Bild vom Dorf gezeichnet hätten, verfallene Häuser, nicht asphaltierte Straßen, an deren Rändern nur Autos aus den 1990-er Jahren parken.

Das gleich schräge Deutschlandbild zeigt der Videoclip Stackenblochen, den der Late-night-talker Conan O’Brien als angeblichen Ausschnitt aus einer „German Gameshow“ vorführt. Es ist nicht auszuschließen, dass O’Brien selber glaubt, was ihm seine Gag-Autoren da untergejubelt haben.


„Vegetarisch, bitte“, sage ich dem jungen Koch bei der Essensausgabe. Er erinnert sich, während er meinen Teller mit dem vegetarischen Gericht befüllt.
„Vegetarisch? Sie waren doch im letzten Jahr schon hier?“
„Ja, im August 2021.“
„Wusste ich doch. Ich vergesse nie ein Gesicht.“
„Beachtlich, wo Sie alle nur mit Maske sehen.“Ein kregeler Mann, oben dick auf dünnen Beinchen, trägt eine rote Kappe und ein dunkelrotes Sweatshirt mit der Aufschrift „Abercrombie & Fitch.“ Er muss irgendwo aus der tiefsten Eifel kommen. Selbst sein Hochdeutsch ist kaum zu verstehen. Dass die Waschautomaten nur noch mit Scheckkarte funktionieren, kommentierte er, man brauche wohl eine ganz neue Karte. Die alten hätten ja das Symbol noch nicht. Im Hinterwald kennt man derlei Karten kaum, genauso wie man nicht weiß, dass die Marke „Abercrombie & Fitch“ früher angesagt war, heute aber als Loosermarke gilt. Das weiß jedenfalls der SternDas WordPress-Icon „Verfassen“ stellt mich vor ein Rätsel. Soll es eine Feder in der schreibenden Hand darstellen? Wegen der fehlenden Klarheit ist es formal misslungen. Inhaltlich ist es auch daneben. Denn zu Zeiten der tippenden Hand ist die Feder in der schreibenden Hand ein Anachronismus und entspricht der Dampflok auf dem alten Verkehrszeichen für „Unbeschrankter Bahnübergang.“ Freilich hat die Feder Hochwert, wie ja manche Journalisten sich als „Edelfedern“ verstehen. Das Lemma „Frucht“ im Deutschen Wörterbuch hat die rührende Fußnote:

    „Mit diesem worte sollte JACOB GRIMM seine feder von dem werke leider für immer niederlegen (…).“

Wie würde es heute heißen? Er hat seinen Rechner für immer zugeklappt? Im Jahr 2017 habe ich schon mal über die Feder als Metapher für Schreiben geschrieben:

Einiges über Edelfedern und seltsame Metaphern