Burtscheider Kur-Splitter 1

Ein Mann und eine Frau in der Wartezone der Physiotherapie unterhalten sich über die Wirkung von Kaffee und ihren Kaffeekonsum. Wasser zum Kaffee, um die Entwässerung auszugleichen, davon sei man inzwischen abgekommen, meint die Frau. Wenn man viel Kaffee trinke wie sie selbst und der Körper daran gewöhnt sei, entwässere Kaffee nicht. Aber wenn man ganz lange keinen Kaffee mehr getrunken habe, dann wirke schon eine Tasse entwässernd.
„Ja“, sagt der Mann. „Ich habe noch nie so wenig Kaffee getrunken wie hier. Normalerweise brauche ich schon eine Tasse Kaffee, um das linke Auge aufzumachen, und eine Tasse Kaffee für das rechte.“
Ein Physiotherapeut sieht mich in der Runde bei der Wirbelsäulengymnastik und ruft: „Sie waren doch im letzten Jahr schon hier!“
„Ja, nach einem Beinbruch.“
Er erinnert sich: „Inda-Gymnasium. Und Sie waren der Direktor.“
„Keinesfalls“, wehre ich ab, „einfacher Lehrer.“
Wieder ein schönes Beispiel, wie sich Erinnerung zum Mythos verformt. Bei unserem Erstkontakt im August 2021 hatte ich gesagt, ich sie am Aachener Inda-Gymnasium Lehrer gewesen. Da hatte er sich vage an einen Abiturientenscherz aus den 1990-er Jahren erinnert, dass nämlich die Abiturienten die Schule rosa angestrichen hätten, in Anspielung auf die nicht eingestandene, aber offenbare Homosexualität des Direktors.
„Nein, nur den Parkplatz“, hatte ich korrigiert.
Kurios, dass ich in seiner Erinnerung jetzt der Mann mit dem rosafarbenen Parkplatz war.
Der mich aufnehmende Arzt, ein mir sympathischer Niederländer, ist zeitweise in der orthopädischen Chirurgie des Marienhospitals gewesen. Als ich ihm schilderte, dass ich dort ein zweites Mal operiert worden war, weil sich ein Verriegelungsbolzen aus dem Nagel in meinem Schienbein herausgedreht hatte, erinnerte er sich an den Fall und sagte, er habe mich im August 2021 operiert, die drei Bolzen entfernt und unterm Knie einen anderen hineingedreht. Das war gut so, denn durch die neue Statik war der Heilungsprozess in Gang gekommen. Heute kann ich etwa 10 Kilometer flott gehen und brauche keine Gehhilfe mehr. Ich bin nur erneut in der Reha, um meine Gangsicherheit zu erhöhen und verlorene Kraft wieder aufzubauen.