Frohe Ostern schlägt happy easter

Seit einiger Zeit besitze ich Papierservietten mit der Aufschrift: „Happy Easter.“ Gekauft habe ich sie, weil ich darüber schreiben wollte, nicht etwa, weil mich „Happy Easter“ anspricht. Ich habe nichts gegen die Marotte, deutsche Wörter durch englische zu ersetzen. Wer das prima findet, wer glaubt, sich dadurch zu erhöhen, soll das tun. In diesem Fall habe ich trotzdem etwas einzuwenden gegen „Happy Easter“ und finde die deutsche Form „Frohe Ostern“ um Klassen besser. Bekanntlich verbinden wir mit Ostern den Brauch, Hühnereier zu bemalen, zu suchen, verschenken oder zu essen. Die Eiform, auch Oval genannt [nach lateinisch ovum ‚Ei‘], finden wir zweimal in „Frohe Ostern.“

Ich erspare uns die allzu naheliegende Gestaltungsbemühung, das kleine und das große O durch ein bemaltes Osterei zu ersetzen. Auch ohne visuelle Gleichsetzung von Ei und O klingt die bildhafte Kodierung in deutschsprachgigen Leserinnen/Lesern an. Wir sehen im O von Ostern das Ei. In „Eastern“ klingt davon gar nichts an. Nicht der kleinste Ostern-Gefühlwert vermittelt sich im albernen „Happy Easter.“ Es ist so eine halbgare Gestaltungsidee, bei der man spontan rufen mag: „Ja, das ist es!“, aber bei längerem Überlegen ergänzt „… nein, doch nicht“, eine richtige Aldi-Discount-Idee.

Wer überdies das Wortbild von „Easter“ eins zu eins überträgt, landet beim unflektierten „Oster“, nicht bei „Ostern.“ Oster sagt uns auch nichts, es sei denn, man kommt aus dem Saarland. (Wer will das schon?) Im saarländischen Wiebelskirchen gibt es einen Fluss namens Oster. Er ist der linke Zufluss der Blies, die wir auch nicht kennen müssen. In „Oster“ erkennen wir allenfalls den Wortbestandteil „Ost“ – denken eventuell an die Himmelsrichtung des Sonnenaufgangs, was auch die Wortgeschichte von Ostern erhellt. Es geht vermutlich zurück auf das altgermanische Austrō = „Morgenröte.“ Wir begrüßen also mit „Frohe Ostern“ den Sonnenaufgang, was etwas erfreulich Heidnisches hat.