Öcher Jong, Kölsche Jung, Nezzemer Jong

Kürzlich wurde ich in einer E-Mail „Öcher Jong“ genannt, wobei Öcher Jong die Mundartvariante von Aachener Junge ist. Wie kann man einen Mann im vorgerückten Alter „Junge“ nennen? Bei der nicht nur im Rheinland üblichen Verbindung von Ortsnamen und Jung(e) („Ich bin ene kölsche Jung“) greift „Jung“ vermutlich zurück auf den Zeitpunkt der Geburt, der Ortsname meint den Geburtsort. In diesem Sinne bin ich kein Öcher Jong, nämlich zugereist aus Köln, geboren im Dorf Nettesheim nahe Köln, mundartl. Nezzem. Demnach wäre die korrekte Bezeichnung Nezzemer Jong. Entsprechendes gilt für die weibliche Variante, Kölsch Mädche, Öcher Mädche, Nezzemer Mädche.

Das alles hat nichts mit der infantilen Weise zu tun, Männer und Frauen „Jungs und Mädels“ zu nennen, wie es die Kabarettistin Gerburg Jahnke bei der Moderation der TV-Kabarettsendung Ladies Night immer tat. Da rollten sich mir stets die Fußnägel hoch. Ebensogut hätte sie zwei Styroporklötze aneinander reiben können.

Zu „Mädel“: Als junger Mann hörte ich vom „Wörterbuch des Unmenschen“ von Dolf Sternberger , Gerhard Storz und Wilhelm E. Süskind. Das 1957 erschienene Buch versammelte sprachkritische Beiträge aus den Jahren 1945-1948 über die Sprache des Nationalsozialismus. Erstaunt fand ich für mich harmlose Wörter wie „betreuen“ und „Mädel“ angeprangert. Obwohl die Wörter für mich unbelastet klangen, konnte ich sie fortan immer nur mit Bauchschmerzen benutzen. Grundsätzlich bin ich seither gegen eine Stigmatisierung von Wörtern. Man muss auch keine Wörter prämieren wie Frankfurter Würste. Wort oder Unwort des Jahres – das ist albern. Das “Jugendwort des Jahres“ ist eine Marketingaktion des Langenscheidt Verlags, der damit sein Wörterbuch der Jugensprache vermarktet.

Zurück zum Nezzemer Jong. Dem längst abgerissenen Nettesheimer Krankenhaus widmete der Geschichts- und Heimatverein Butzheim/Nettesheim jüngst ein Buch. Da ist auch ein Text von mir abgedruckt, gefunden hier im Blog. Soweit ganz erfreulich, möchte man denken. Aber dass man ihn unter meinem Autorenpseudonym und unter meinem Geburtsnamen veröffentlichte, ist ein Foul und unprofessionell. Glücklicher Weise liest das Buch kaum jemand. Huhu Leute! Entweder dies oder das. Wozu hat einer wohl sein Autorenpseudonym?