Nennen Sie mich bitte Heintzmann!

Wer die Medizinische Hochschule Hannover (mhh) zu einer ambulanten Untersuchung betritt, kriegt zuerst einen Knüttel zwischen die Hörner, denn er muss eine Nummer ziehen und sich in einen Wartebereich verfügen. Diese gewiss probate organisatorische Maßnahme hat einen unerwünschten Nebeneffekt. Sie zeigt jedem, als was er im modernen Großkrankenhaus gilt. Über Anzeigetafeln wird die Nummer in eine von acht Kabinen gerufen, wo sie sich mit ihren amtlichen Papieren ausweisen kann. Damit wird Person A062 wieder zu Frau oder Herr Sowieso. Mit dem Segen einer Verwaltungskraft bekommt die Person ein wenig ihrer Würde zurück, denn amtlich Namen sind doch Teil der eigenen Identität.

Im weitläufigen Wartebereich der Augenklinik werden Namen gerufen, immer mit dem höflichen Zusatz „bitte.“ Ein Herr Heintzmann, seinem Habitus gemäß und wie er seinen an sich überflüssigen Aktenkoffer immer mit sich schleppt, ein pensonierter Lehrer, überhört mehrmals, dass er zu einer Vermessung aufgerufen wurde. Einmal mache ich ihn darauf aufmerksam. „Sie, Herr Heintzmann, wurden aufgerufen.“ In den Anfängen der Datenschutzgrundverordnung, als noch niemand recht wusste, wie sie in der Praxis zu handhaben wäre, hätte das namentliche Aufrufen von Patienten als illegal gegolten, um zu verhindern, dass ein Unbefugter wie ich Name und Person in Verbindung bringt.
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