Helen – Eine Kriminalkurzgeschichte in zwei Folgen (1)

In meiner Idealwelt lebe ich vergnügt dahin, freue mich, gesund zu sein, bin quasi alterslos, aber reich an Erfahrung, sammle hier faszinierendes Wissen auf, dort ein hübsches Erlebnis, lese und schreibe wozu ich Lust habe, genieße das Leben und lasse alle Tage den lieben Gott einen guten Mann sein. Manchmal sogar stimmen meine Idealwelt und die reale Welt völlig überein. So am letzten Freitag. Die Sonne schien, die Temperaturen waren fast frühlingshaft, da beschloss ich, unsere Bibliothek zu betreten, um einen Artikel im Deutschen Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm nachzuschlagen. Im DW zu stöbern, die in Leder gebundenen Bände aus dem Regal zu ziehen, auf den Lesetisch zu wuchten und aufzuschlagen, man kann sich nichts Harmloseres vorstellen. Das Unheil begann kaum merklich damit, dass ich die Bände des Deutschen Wörterbuchs nicht fand. Ich irrte durch die Lexikon-Abteilung der Bibliothek, wo es letztens noch gestanden hatte. 32 Bände über mehrere Regalmeter können schließlich nicht so einfach verschwinden. Doch indem ich das Wörterbuch nicht fand, spalteten sich Idealwelt und Realwelt auf. Ich stürzte kopfüber in ein Abenteuer, das mich wegen Mordes ins Gefängnis brachte.
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