Hurtig über die Wieze und zurück

Bei einem Bummel zum Flüsschen Wieze, entlang und drüber hinweg geraten wir in den südlichen Randbezirk der Gemeinde Isernhagen. Der Name geht auf das Raseneisenerz zurück, das schon im Mittelalter nahe der Wieze gefunden und verhüttet wurde. Seit ich nach einem komplizierten Bruch des Unterschenkels sieben lange Wochen im Rollstuhl saß und vier Wochen in einem Isernhagener Pflegeheim zur Kurzzeitpflege war, verbinde ich mit Isernhagen traumatische Erfahrungen. Die möchte ich loswerden. Das dürfte mir nicht schwer fallen, nachdem ich wieder auf zwei Beinen munter ausschreiten kann. Aus der erweiterten Perspektive fällt mir die Protz- und Klotzarchitektur des Ortsteils auf.

Ein Anwesen mit schmiedeeisernem Tor vor der Auffahrt hat weder einen Namen am Klingelschild noch am Briefkasten. Nur ein kleines Messingschild verbittet sich Werbung – ganz vornehm auf Französisch. Viele der Neubauten des Viertels zeigen, dass Reichtum nicht unbedingt mit Stilempfinden einhergeht. Hat einer den Eingang seiner protzigen Villa mit zwei dorischen Säulen geschmückt, tut es der Nachbar nach, obwohl sein Haus kleiner ist und die Säulen noch weniger verträgt. Doch selbst „kleine“ Bauten reichen in der Regel für eine 12-köpfige Familie, auch wenn nur zwei Leutchen drin leben.

Das ist wohl der „Isernhagener-Standard“, von dem die Lokalpresse schreibt. Tatsächlich ist Isernhagen nach dem durchschnittlichen Einkommen seiner Bürger die reichste Gemeinde Niedersachsens. Dieser Reichtum scheint sich besonders im Süden zu ballen. Auf dem Gehsteig werden wir freundlich gegrüßt. Man ist hier unter sich und manierlich, zumindest auf der Straße. „Stroßeengele sin Huusdüvele“ (Straßenengel sind Hausteufel), sagt man im Rheinland, wobei ich niemandem etwas nachsagen möchte, denn ich kenne hier keinen. Sei’s drum. Ich bin stolz, eine Wanderung von fast sieben Kilometern schon zügig bewältigen zu können, die meine Rollstuhlzeit vergessen macht.