Die Weihnachtskarte – Aus einem Büroalltag

Das Telefon klingelte und Frau Walden bat ihn zu sich. Erlenberg schloss die Datei, an der er gerade arbeitete, stieg die Wendeltreppe hinauf und hoffte, ungesehen durch die zweite Etage zu kommen, denn er hatte keine Lust auf ein Gespräch mit Herrn Walden, der dort sein Büro hatte. Zu oft hatte sich Walden als distanzlos erwiesen. Helen, Erlenbergs Freundin, arbeitete als Kamerafrau beim WDR. Ein einziges Mal hatte sie als Komparsin in einer Soap mitgespielt. Nachdem Erlenberg das arglos erzählt hatte, fragte Walden bei jeder Gelegenheit: „Sind Sie noch mit der Schauspielerin zusammen?“, wobei er verstand dem Wort „Schauspielerin“ den Beiklang von „Hure“ zu geben. Erlenbergs Einwand, sie sei nur Komparsin gewesen und im seriösen Beruf Kamerafrau beim WDR, ignorierte er einfach. Leider war Erlenberg Beziehung eine Achterbahnfahrt und kostete ihn viel Kraft, was bei Walden den Eindruck verstärkt, dass Erlenberg einer losen Person, einer „Schauspielerin“ eben, in die Hände gefallen war, die nichts anderes im Sinn hatte, als ihn zu verderben. Weiterlesen