Salzbrecher

Leider werde ich immer noch um 6 Uhr morgens wach. Als Schriftsetzer musste ich um diese Zeit aufstehen, während des Studiums nicht, aber dann als Lehrer wieder. In der Computertechnik gibt es Eprom-Speicherbausteine, die nicht gelöscht werden können. Ihre Inhalte werden gebrannt. Nach 35 Jahren Gewöhnung ist mir 6 Uhr wie bei einem Eprom eingebrannt. Nach der Zeitumstellung bin ich eine Weile um 5 Uhr wach geworden. Doch es pendelt sich langsam ein, nur gestern bin ich nach dem Aufwachen um 5 nochmals eingeschlafen und träumte einen langen Traum.

Der Salzbrecher-Traum
Ich bin mit einem Freund irgendwo in Köln auf einer Feier. Es ist 11 Uhr morgens. Mir fällt ein, dass ich gegen 12 Uhr einen Arzttermin habe und sage dem Freund, ich würde rasch nach Hause fahren, um zu duschen und mich umzuziehen. Schon als ich auf mein Fahrrad steige, ahne ich, dass ich nicht rechtzeitig zum Arzt kommen werde, zumal ich nicht weiß, in welche Richtung ich fahren müsste, um aus der Stadt hinauszukommen. Auf den Straßen herrscht der Autoverkehr. An einem Fußgängerüberweg wartet eine große Menschenmenge. Die Fußgängerampel ist wohl lange nicht auf Grün gesprungen, so dass die ungeduldige Menge schon auf den Fahrradweg brandet. Ich muss sie im großen Bogen umfahren.

Ich gerate in einen Park und einen Pulk Kinder. Um weiterzukommen, muss ich mein Fahrrad über eine Absperrung heben. In einem Kiosk frage ich nach dem Weg zum Stadtrand, weiß aber nicht mehr, wie der westliche Ortsteil heißt, über den ich Köln verlassen will. Später gelange ich an eine Ypsilongabel. Ich frage eine Frau, wohin die Straßen führen. Sie sagt: „Rechts geht es nach Orken, links ans Rheinufer.“ Orken sagt mir nichts. Die Straße steigt auch an und hat Kopfsteinpflaster. Also nehme ich den bequemen Weg und rolle hinab zum Rheinufer. Dort gerate ich auf einen Kirmesplatz. Plötzlich liege ich rücklings in einem Fahrgeschäft namens Salzbrecher.

Von oben saust ein auf die Kante gestelltes Brett herab und trifft schmerzhaft die Beine. Man wird im Fahrgeschäft weiter geschoben, und schon fällt das nächste Brett herab. Um meine Beine zu schützen, setze ich mich hin und fange die Bretter mit den Armen auf. Weitere Bretter fallen in meinen Arm und werden so schwer, das ich mich geschlagen geben muss. Der Salzbrecher lässt stoisch immer mehr Bretter auf meine Beine fallen, bis ich erwache.

    Traumfakts:
    – Der westliche Stadtteil Kölns, dessen Name mir im Traum nicht einfiel, war ehedem ein Dorf und wurde 1950 eingemeindet. Er heißt Bocklemünd und grenzt an Pulheim, wo ich gewohnt habe, bevor ich nach Aachen zog.

    – Orken liegt westlich von Grevenbroich am Rand eines Braunkohletagebaus. Ich bin mit 17 mal in Orken gewesen. Es war mein erster Besuch einer Musikveranstaltung. Im Saal einer Kneipe sollte der Schlagersänger Peter Orloff auftreten. Beim Eingangsbereich stauten sich die Besucher. Plötzlich wurde an der Tür gerangelt, weil sich jemand durchdrängte. Ein erboster Orkener drohte dem Mann Prügel an. Der sagte entrüstet: „Aber ich bin doch Peter Orloff!“ Ich stand direkt dabei und sah Orloff in die Augen. Sie waren von einem wässrigen Hellblau. Übrigens trug ich ein abgelegtes Jackett von einem Großcousin meiner Mutter und hatte eine Krawatte aus dem Kleiderschrank meiner Eltern umgebunden, die mal meinem Vater wohl gehört hatte.

    – Die Ypsilongabel ist ein seit der Antike bekanntes Symbol des freien Willens. Der rechte Weg ist der Himmelsweg und beschwerlich, der linke Satansweg aber bequem. Offenbar wurde ich bestraft, weil ich den rechten Weg versäumt hatte. Mehr über die Ypsilongabel, lies hier:

8 Kommentare zu “Salzbrecher

  1. Als ehemaliger Kölner und Mönchengladbacher freut es mich immer wieder, wenn ich in deinen Einträgen mir bekannte Ortsnamen lese, heute zum Beispiel Aachen, Pulheim oder Bocklemünd. Eine meiner Schwestern wohnt in Rheydt-Wickrath, ich habe in Odenkirchen das Abi gemacht und Solingen kenne ich auch seit meiner Kindheit. In Hannover war ich allerdings noch nie.

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