Bodensee- Kursplitter VIII

Vom anderen Stern
Bei der Wassergymnastik betritt ein Mann mit gewaltigem Bauch die Schwimmhalle. Am Beckenrand stolziert die gertenschlanke Sportlehrerin und demonstriert mit selbstverliebter Perfektion die Übungen. Wir im Wasser können nur staunen über diese Selbstinszenierung in koboldartiger Überdrehtheit. Bauchmann und Sportlehrerin wie Wesen von verschiedenen Planeten.

Kleine Freuden
Am Yachthafen von Moos bei den dümpelnden Booten schön in der milden Abendsonne gesessen und Pizza Funghi gegessen. Dabei empfinde ich eine fast diebische Freude, das gesunde, fettreduzierte Abendessen in der Kur zu verpassen.

Der einzige Kunde
In Radolfzell öffnen die Geschäfte wieder. In einem Sportkaufhaus erstehe ich Laufschuhe. Der Seniorchef und eine Verkäuferin kümmern sich gut eine halbe Stunde darum, die richtigen Schuh für mich zu finden.

Rechts-Links-Schwäche
Weil ich die Kur um eine Woche verlängere, muss ich in ein anderes Zimmer umziehen. Es ist genau spiegelverkehrt zu meinem alten Zimmer. Die Umstellung fällt mir schwer, namentlich das Betreten der engen Dusche. In drei Wochen haben sich die Bewegungsabläufe anders herum eingeschliffen, dass mein inneres Ich nicht umlernen mag.

Handwerkskunst
Seitdem ich einst im eigenen Haus das Bad gefliest habe, interessiert mich an fremden Bädern die Arbeit des Fliesenlegers. Einmal nächtigte ich bei einer Radtour entlang der Ruhr in einem Hotel, das von Chinesen geführt wurde. Die Wirtin trug stets ein kleines Kind auf dem Arm. Beim Duschen erfasste mich das große Staunen. Das perfekt geflieste Bad war derart eng und klein, dass man sich nur nach gezielter Überlegung drehen oder wenden konnte und trotzdem überall aneckte. Hinfort zwängte ich mich nur nach gründlicher Planung in dieses Bad. Ich war sicher, dass die chinesische Wirtin, obschon dicker als ich, dieses Bad bis in den letzten Winkel putzen würde, und dabei hätte sie natürlich im linken Arm das kleine Kind. Auch hätte ich gerne den Installateur gesehen, der in dieser Enge alles sauber angebracht hatte. Diesem Mann hätte ich gerne die Hand geschüttelt.

Wenn das Herr Litfaß wüsste
Neben dem anzüglichen Inhalt und der kuriosen kontextualisierung der beiden Plakate zeigt sich bei der unteren Plakatwerbung eine Mehrfachkodierung des Vokals O.
(Litfaßsäule auf der Halbinsel Mettnau
Foto: JvdL
Zum Vergrößern bitte Klicken!)

6 Kommentare zu “Bodensee- Kursplitter VIII

  1. Die verbotenen Früchte 😊 In einer Jugendkur wurde meine Schwester wegen ihres (nicht krankhaften) Untergewichtes mit gesunder Zusatzkost versorgt. Das Essen schmeckte uns gar nicht, zum Glück bekamen wir von zu Hause ein großes Paket mit Süßigkeiten. Abends machten wir mit zwei anderen Schwestern eine verbotene Fressparty auf dem Zimmer. Das war ein kulinarisches Feuerwerk 😉

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  2. In einem sehr kleinen Hotel in Mailand hatte ich auch so ein sehr platzreduziertes Badezimmerchen. Das hat mir während meines Aufenthalts auch stets morgens und abends Kopfzerbrechen bereitet, wie ich mich denn nun am besten dort hinein zwänge. 😉

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