Bodensee Kursplitter VII

Die Sterne müssen warten
Über dem Starnberger See habe ich einst einen prächtigen Sternenhimmel gesehen, sogar die Milchstraße, die Stadtbewohner nur noch vom Hörensagen kennen. Ähnlich frei von Lichtverschmutzung müsste der Himmel über dem Bodensee sein. Bei einer Flasche Pinot Grigio sitzen meine aparte Begleiterin und ich auf dem Balkon und warten den Sonnenuntergang und die Dunkelheit ab. Leider wird es rasch so kalt, dass wir es selbst unter einer gemeinsamen Kuscheldecke nicht lange genug aushalten.

Eingriff in die Natur
Einige Kurgäste und ich sitzen auf der Sonnenterrasse neben dem Speisesaal. Da kommt quer über die Wiese hinweg eine Schar Gänse im Gänsemarsch. Vorneweg die beiden Alten, dahinter die Gänseküken. Eine fette Krähe fliegt heran und hüpft auf das letzte Küken zu. Da springt ein Kurgast auf und mit den entrüsteten Worten: „Sag mal!“ verscheucht er die Krähe. Sie hüpft aber nur ein wenig zur Seite. Erst jetzt haben die beiden Alten die Bedrohung ihres Kükens bemerkt und jagen mit gestreckten Hälsen und aus offenem Hals fauchend auf die Krähe zu, die nun endgültig auffliegt.

Die Entrüstung des Kurgastes kann ich verstehen. Niemand mag mitansehen, wie vor seinen Augen sich ein blutiger Kükenmord vollzieht. Da wird der Mensch zum „Tierfreund“, indem er einseitig Partei ergreift. Aber hat er das Recht, derart in den Lauf der Natur einzugreifen? Beutegreifer wie die Krähe haben auch ein Lebensrecht, genau wie der Mensch, der bedenkenlos Fleisch aus Massentierhaltung verzehrt.

Vertragsbruch
Im Traum sollte ich ein Kleid vorführen und darin fotografiert werden. Aber ich zog nicht den vereinbarten Lappen an, sondern ein schönes Kleid von Schiesser. Tags zuvor hatte ich gehört, dass die Schiesser AG ihren Hauptsitz im angrenzenden Radolfzell hat. Dass ich die Neigung hätte, Frauenkleidung zu tragen, behaupten nicht mal böse Zungen.

Sozialdarwinismus
Auf dem Gelände der Kurklinik erhebt sich das Scheffelschlösschen. Es war der Sommersitz des Dichters Joseph Victor von Scheffel. Bei seinen Naturbeobachtungen kommt er zum Fazit:
„Denn der Große frißt den Kleinen, /
Und der Größte frißt den Großen, /
Also löst in der Natur sich /
Einfach die soziale Frage.“

Was gibt’s denn da zu sehen?

In einem Radolfzeller Garten fotografiere ich diese Badenixen. Claus Kleber kommt mit dem Fahrrad vorbei und schaut neugierig, was es da zu fotografieren gibt. Später kaufe ich just dort bei einem Hausflohmarkt für vier Euro ein weiteres Engelchen für Jeremias Costers Hausaltar. (Leider bin ich derzeit nicht in meiner Wohnung und kann nicht fotografieren, wie die Engelchen seine Asche bewachen, die sich im Filmdöschen befindet.)