Postmann

Auf dem Weg zum Bäcker begegnete mir erneut der Briefträger von der Citypost. Er schob sein blaues Postrad über den Bürgersteig. Der Mann rührt mein Herz. Noch nie habe ich einen Menschen gesehen, der von einer derart dunklen Wolke der Traurigkeit umweht ist. Bevor wir einander passierten, schlug er wie üblich die Augen nieder. Doch die Sonne schien, ich war guter Dinge und dachte, warum nicht mal freundlich grüßen, um ihm die Wertschätzung zu zeigen? In seinen gesenkten Blick sagte ich arglos: „Guten Morgen!“ und erschrak vor seiner Antwort. Sein „Guten Morgen“ klang so jämmerlich und so hart am Weinen, dass ich fürchtete, ihn aus der Fassung gebracht zu haben.

Da dachte ich, der trägt so schwer an seinem Los und jetzt wie zum Hohn muss er meinetwegen auch noch „guten Morgen“ sagen? Das lasse ich in Zukunft besser. Doch während ich mein Frühstück bereitete, fiel mein Blick auf den Spielplatz, wo er unter der blühenden Kirsche auf der Bank saß und pausierte. Dabei versenkte er sich wie üblich in einer Zeitung. Was wird er wohl lesen?

    „Bundeskanzlerin Angela Merkel nennt Billiglohnsektor sittenwidrig“ oder
    „Bundesverdienstkreuz für Postboten der Citypost“ ?

In einer besseren Welt.