Finde deinen ersten Blogeintrag im Internetarchiv!

Kürzlich zeigte arte den dystopischen SF-Film „Rollerball“ aus dem Jahr 1975. Die Welt ist darin beherrscht von wenigen Konzernen. Zur Unterhaltung der Massen dient der brutale Sport „Rollerball“, bei dem die Mannschaften bis aufs Blut gegeneinander kämpfen. Sie gehören den verschiedenen Konzernen, da Nationen abgeschafft sind. Abgeschafft sind auch Bibliotheken. Das kulturelle Erbe der Menschheit ist digital in einer zentralen Datenbank erfasst. Als der Protagonist dort recherchieren will, wann die Herrschaft der Konzerne begonnen hat, erfährt er beiläufig, dass der Zentralcomputer das 12. Jahrhundert nicht mehr auffindet. Da das Gedächtnis der Menschheit nur noch digital existiert, ist ein ganzes Jahrhundert verloren.

Im Jahr 1975 war an das Internet noch nicht zu denken. Von ihm heißt es: „Das Internet vergisst nichts.“ Die stereotype Formel stimmt nur bedingt. Alles, was sich mit Suchmaschinen finden lässt, muss ja irgendwo auf Servern gespeichert sein. Sobald Server abgeschaltet oder zerstört werden, sind auch die dort gespeicherten Seiten verloren. Im vergangenen März brannte in Straßburg ein Rechenzentrums-Verbund mit rund 100.000 Servern. Wie viele Kunden vom Datenverlust betroffen sind, lässt sich noch nicht abschätzen.

Bei meinem Aufruf zur Bloggeschichte taucht die Frage auf, ob denn die frühen Versuche überhaupt noch auffindbar wären, wenn es zu lange her ist und oder der Weblogdienst nicht mehr existiert und die Server abgeschaltet sind. Vorausgesetzt man weiß die damalige Internetadresse noch, gibt es eventuell eine Rettung: Verlorene Internetseiten speichert das schon 1996 gegründete Internetarchiv waybackmachine, ein gemeinnütziges Projekt mit Sitz in San Francisco. Ein Spiegelserver der Daten von San Francisco befindet sich sinnvoller Weise auf einem anderen Kontinent, nämlich in der ägyptischen Bibliotheca Alexandrina. Freilich ist die Speicherung von Blog-Postings lückenhaft. Man braucht etwas Glück. Wer seine alte Internetadresse nicht mehr weiß, kann testweise seine aktuelle in die Maske eingeben und findet seinen Anteil am kulturellen Welterbe der Menschheit. Viel Erfolg!

Weiter zum Projekt Sammlung historischer Bloggeschichten

26 Kommentare zu “Finde deinen ersten Blogeintrag im Internetarchiv!

  1. Lieber Jules,
    Von meinem alten Karfunkelfeeblog bei Blog.de sind tatsächlich noch ein paar Seiten gespeichert. Vor ein paar Jahren stieß ich durch Zufall auf die Waybackmachine. Ein schönes und wie ich finde, auch wichtiges Projekt. Der Film Rollerball beleuchtet auf eindrückliche Weise, was geschieht, wenn das Wohl vieler von wenigen Mächtigen abhängt. Der Film ist meines Erachtens eine heute brandaktuelle Warnung.
    Liebe Grüße
    Amélie

    Gefällt 3 Personen

    • Liebe Amélie,
      sind Postings aus der Frühzeit deines Blogs bei Blog.de gespeichert? Ein derartiger Beitrag wäre interessant zu sehen. Nachdem ich „Rollerball“ wiedergesehen hatte (erstmals 1976 im Kino) habe ich am 15. März einen Beitrag dazu verfasst, vor allem zu dem, was du eine „brandaktuelle Warnung“ nennst. Ich habe den Text zurückgehalten, weil ich nicht in fruchtlose Diskussionen verstrickt werden wollte. Vielleicht veröffentliche ich ihn bald doch.
      Lieben Gruß
      Jules

      Gefällt 1 Person

      • Lieber Jules,
        Hier bitte: https://web.archive.org/web/20150402044632/http://karfunkelfee.blog.de/
        Diese Monsterkonzerne machen mir Angst. Sie haben so viel Einfluss…
        Die Namen sind bekannt, ich betreibe wo ich kann entsprechenden Produktboykott, – des Konsumenten Aufmüpfen nenne ich das und kläre meine Nachfahren auf, Schärfe ihre Wachsamkeit, versuche ein kritisches Bewusstsein zu wecken, spreche Wassernot, Kinderarbeit und Krankheiten an, Gier und Manipulation…und…
        Wo mir der Überblick fehlt, lebe ich so verantwortungsvoll wie es meine Unwissenheiten und Menschlichkeiten zulassen
        Der Film Rollerball ist so wichtig wie Animal Farm oder 1984 von Orwell.
        Sei lieb gegrüßt von
        Amélie

        Gefällt 1 Person

  2. Ein großartiger Tipp: Die waybackmachine nutze ich gern, wenn ich mal wieder sehen will, wie meine Website vor vielen Jahren einmal ausgesehen hat. Im Moment nutze ich sie, um das Layout meiner Startseite vor 5 Jahren noch einmal Revue passieren zu lassen.

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  3. Nein, keine Vergangenheitsblogforschung meinerseits, mir fallen lediglich die drei Namen ein, mein erstes hieß „Hobowoman“, noch leicht kerouachaftig, es folgte „Ludovika“, brav und beruflich getönt, dann das aktuelle „Wildgans“, mehr so schweifend lagerlöfig…Meine handgeschriebenen habe ich vernichtet. Bin halt so.
    Gruß von Sonja

    Gefällt 1 Person

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