Tag der Druckkunst

Am 15. März 2018 wurden die traditionellen Drucktechniken in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO übernommen. Seither feiern wir am 15. März den Tag der Druckkunst. Wieso das vereinnahmende Wir? Bekanntlich bin ich ein Jünger der Schwarzen Kunst gewesen, habe die, wie Abraham Lincoln befand, „Universität des einfachen Mannes“ besucht und im Alter von 17 Jahren die Gesellenprüfung als Schriftsetzer bestanden. Obwohl das nur wenige von sich sagen können, ist das vereinnahmende Wir berechtigt.

Auch wer nur digitale Techniken der Fernkommunikation nutzt, wer per Smartphone Nachrichten über Messenger versendet, wir Blogger*Innen sowieso, wir alle stehen mit einem Bein noch in der Buchkultur, verwenden Schrifttypen, die für den Buchdruck geschaffen wurden, benutzen typographische Ordnungs-Prinzipien wie Blocksatz, Flattersatz, rechts- oder linksbündig, bedienen uns der gängigen Orthographie, die natürlich ein Kind des Buchdrucks ist, denn erst im Buchdruck war es möglich, einen Fehler spurlos zu korrigieren. Daher auch der Anspruch an Texte auf orthographische Richtigkeit.

Mir persönlich hat die Arbeit in der Buchdruckerei den Weg zum Studium geebnet. Im Studium Germanistik und Kunst konnte ich mich weiterhin dem Phänomen der schriftlichen Kommunikation widmen. Zeit meines Lebens habe ich mich für alle möglichen Aspekte der Schrift begeistert, etwa 20 Jahre geforscht und die Befunde in einem hübschen Büchlein niedergelegt, auf das ich bei dieser Gelegenheit erneut aufmerksam mache.

Linoldruck zur Feier der Druckkunst

Kalligraphisches Blatt aus dem Jahr 1990 von JvdL (mit Photoshop bearbeitet)
Papier des Originals chamios, Format 31 cm x 24 cm
Linolplatte verschollen
Der Schriftzug ist ein Zitat von Friedrich Hölderlin (1770-1843): „Am Anfang des Alphabets steht das schreckliche Geheimnis des Altertums“ Hölderlins dunkle Äußerung steht für alphabetmystische Ansichten des 18. und 19. Jahrhunderts. Geschnitten ist der Text nach Vorlagen des englischen Schriftkünstlers Edward Johnston. In der Tradition englischer Kanzleischriften begann Edward Johnston zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit Schriftkursen an der Londoner Central School of Crafts and Arts. Der Schriftunterricht von Edward Johnston war der Beginn einer großen Erneuerungsbewegung der europäischen Schriftkunst. Er ist der Schöpfer der englischen „Kunsthandschrift“, die wie die Fraktur als grafisches Element eingesetzt wird, wenn Waren als besonders wertvoll oder als antik ausgezeichnet werden sollen.