Die Nachricht des Schornsteinfegers

Aushang im Treppenhaus – Foto: JvdL – Größer: Klicken!

Zwei kuriose Aushänge in unserem Treppenhaus. Zuerst kündigte der Schornsteinfeger der Hausgemeinschaft handschriftlich sein Kommen an, wobei die jetzt nachgemalte Acht zuvor kaum eindeutig zu identifizieren war, dann tauchte Aushang zwei einer Nachbarin auf, die beim Schornsteinfeger nachgefragt hatte. Wie sich herausstellte, war das Misstrauen gegenüber der handschriftlich hingeschmierten Information berechtigt, denn der Schreiber hatte sich um einen Monat vertan, der Dienstag ist eine Falschinformation.

Beim Versuch den ursprünglichen Aushang zu lesen, habe ich gedacht, selten eine derart entgleiste Handschrift gesehen zu haben. Geht von ihr deshalb die nur schwammige Verbindlichkeit aus, oder zeigt sich an diesem Extrembeispiel ein Bedeutungsverlust der Handschriftlichkeit?

Der Handschrift widerführe dann das Gleiche wie dem gesprochenen Wort in mündlichen Kulturen. Mit dem Übergang von einer oralen in die literale Kultur sinkt die Wertschätzung des vorangegangenen Mediums, der Mündlichkeit. Ein gegebenes Wort gilt jetzt weniger als ein handschriftlicher Vertrag. Die schriftliche Vereinbarung ist die Urkunde (im Sinne der ersten Kunde), nicht das Gesagte.

Noch hat wenigstens die handschriftliche Unterschrift ihren Wert behalten, doch es mehrt sich die Kommunikation, im Geschäftsbrief, in Verwaltungsschreiben, die ohne Unterschrift gültig ist. Bei Online-Texten, etwa Bewerbungen, ist möglich, die Unterschrift durch eine elektronische Signatur zu ersetzen.

Wann kommt denn jetzt der Schornsteinfeger? Am Donnerstag, dem 28. Januar, gemäß der vorläufig noch bestehenden Macht des gedruckten Wortes.

14 Kommentare zu “Die Nachricht des Schornsteinfegers

    • Auch Apotheker entziffern manches kaum. Im Spiegel war einmal das zu lesen:
      „Der texanische Kardiologe Ramachandra Kolluru beispielsweise hat erst kürzlich einen 42 Jahre alten Patienten ins Jenseits gekrakelt. Die Hieroglyphe, die der Mediziner auf den Rezeptblock warf, sollte „Isordil“ heißen; das ist eine Arznei gegen Herzschmerzen. Der Apotheker indes las „Plendil“ und gab dem Herzkranken das Mittel gegen hohen Blutdruck mit auf den Weg. Der führte nicht mehr weit. Einen Tag nach der Einnahme streckte ein Infarkt den Mann nieder; wenig später war er tot.“
      https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-16659181.html

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  1. 🤣 das ist doch noch ordentlich und lesbar geschrieben. Sie können sich nicht vorstellen, wie unleserlich die jungen Männer heute schreiben. Naja, heute werden in den Schulen eben andere Dinge vermittelt und gefördert. Wenn man im digitalen Lernen die Tastatur und das Programm beherrscht, gibt es ein großes Lob. Irgendwann wird es keine Handschrift mehr geben und Dienstleister, die dann auch die Arbeit im Office am PC nicht beherrschen, haben ein Problem oder auch nicht. Denn schon heute wartet man auf einen Handwerker mal gut ein halbes Jahr. Nur ist es dann am Ende auch wurscht, ob er schreiben kann. Hauptsache er kommt überhaupt und macht ganz, was kaputt ist.

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    • Es geht ja immer noch schlimmer 😉 Dass die handschriftlichen Fähigkeiten verkümmern, hat gewiss mit mangelnder Wertschätzung in Schule und Gesellschaft zu tun. Bei mir selbst stelle ich fest, dass die Geläufigkeit schwindet, weil ich immer seltener mit der Hand schreibe. Es ist wie mit allen Fähigkeiten: Was man nicht übt, verliert sich.

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  2. Eine schöne Schrift,
    Der Spiegel edler Seelen
    Darf einer Dame nie,
    Dem Herren selten fehlen.

    Der Kommentar meiner Großmutter zu meiner Schrift, – ich wurde als Linkshänderin in der 50er Jahren auf rechts schreiben umgestellt.
    Daraus ist dann später doch noch eine Schrift geworden, die mir entspricht, auch ästhetisch.

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