Wintersonne, ein Versehen

Auf der Nordseite meiner Wohn- und Arbeitsstube habe ich zwei Fenster, eines ist zweiflüglig. Wenn ich im Sommer den Kopf wende und hinausschaue, sehe ich in das dichte Laub einiger Bäume, so dass es nicht viel Vorstellung bedarf zu glauben, dort wäre der Waldrand. Wenn die Bäume jedoch kahl sind wie derzeit, sehe ich durch sie hindurch wie durch einen unsauber gezimmerten Knüppelverhau. Weit hinten ziehen Autos über den Schnellweg, und just dahinter scheinen sich Häuser zu erheben. Ich schreibe bewusst „scheinen sich zu erheben“, denn ich habe diese Häuser noch nie gefunden. Bei Tag und bei Nacht bin ich in ihre Richtung gegangen, fand eine wenig verlockende Straße, die durch den Tunnel einer Unterführung strebt als hätte sie ein Ziel, fand Zäune und Ziegelmauern, einen weitläufigen Parkplatz, der durch ein stählernes Tor versperrt ist, große Plakatwände, noch mehr Plakatwände, doch warum? Wo sind Augen, sie zu sehen? Menschen leben hier nicht. Ich will es nicht wahr haben.

Und wieder schaue ich hinüber, sehe die Dächer, die roten Dachschindeln und kann mir darunter einen Dachboden denken, wo zwischen aufgespannten weißen Bettlaken junge Menschen sitzen und Plakate malen. Welch ein Idyll, so hoffnungsfroh. Doch da! Es poltern Schritte die Stiegen hinauf. Die Jugendlichen räumen rasch ihre Sachen weg. Zu spät. Grimmige Schergen stürmen herein und ergreifen sie. Die sich wehren, werden von schweren Stiefeln zu Boden getreten. Dann zerrt man sie hinaus und hinab.

Die Dächer wieder so friedlich unter der Wintersonne. Ich habe versehentlich eine Taste berührt, so dass ich ab -sonne in Fettschrift schreibe. Kurios.