Unter Spitzbuben

Die weiter unten in drei Schriftvarianten zu lesende Klage aus dem Philobiblon, dem berühmten Buch der Bücherliebe, im Jahr 1344 verfasst vom Bischof und Gelehrten Richard de Bury, vermittelt einen Eindruck, wie schwer im 14. Jahrhundert Beschreibstoffe wie Pergament oder Papier zu bekommen waren, dass manche nicht davor zurückschreckten, die Ränder wertvoller Bücher abzuschneiden. Das handschriftliche Zitat hat beim Mitmachprojekt Schreiben wie im Mittelalter Blogkollege Emil geschrieben.

Auch sich eine Gänsefeder zu besorgen und zurecht zu schneiden (Anleitung im Bild unten), war eine mühsame Angelegenheit und erforderte Geschick. Vor allem hielten die Federn nicht lange, sondern faserten rasch aus.

aus: Wolfgang Fugger; Ein nutzlich und wolgegrundt Formular Manncherley schöner Schriefften, 1553 (größer: Bitte klicken)

Zeitsprung in den Dezember des Jahres 2020: Beim Discounter gab es ein 24-teiliges Kalligrafie-Set, inklusive papierene Übungsblätter zum schamlos niedrigen Preis von nicht mal fünf Euro. Mit Schreibwaren ist offenbar kein Geld mehr zu verdienen. Dass unsere Schreibkultur so verramscht wird, tut mir in der Seele weh. Gerade deswegen habe ich mir ein Schreib-Set zum Spottpreis gekauft.

Nebenbei: Ich habe das Zitat aus dem Philobiblon in drei Schriftvarianten gezeigt, weil heutigen Leserinnen/Lesern die Fraktur und ihre Handschriftvariante Kurrent ganz fremd sind. Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) hingegen schreibt die gegenteilige Erfahrung, denn zu seiner Zeit waren deutsche Texte überwiegend in Fraktur gedruckt und Antiquaschrift wirkte befremdlich: Lichtenberg: „Wenn ich ein deutsches Buch mit lateinischen Buchstaben [Antiqua] lese, so kommt es mir immer vor, als müsste ich es mir erst übersetzen, eben so wenn ich das Buch verkehrt in die Hand nehme und lese, ein Beweis, wie sehr unsere Begriffe selbst von diesen Zeichen abhängen.“