Was zum Lachen

Ich kann keine Witze erzählen, weil ich die Pointe immer verlache. Dabei heißt es doch, man könnte sich selbst keinen Witz erzählen, weil man die überraschende Pointe schon kennt, sie folglich nicht überraschend kommen kann. Bei mir geht das schon. Verlacht habe ich auch das Gedicht Himmelsklöße von Joachim Ringelnatz, als ich es meiner Freundin vorlesen wollte. Es ist zu lustig. Lesen Sie selbst [Abdruck in originaler Orthographie]:

Himmelsklöße
(Das Spiel, das Frau Geheime Hofrat Anette von Belghausen Berlin S. W., Königgrätzerstr. 77I, als Kind so gern gespielt hat.)

Je mehr Kinder dabei mitmachen,
Umso mehr giebt es nachher zu lachen.

Dicke Papiere sind nicht zu gebrauchen.
Man muß Zeitung oder Briefe von Vaters Schreibtisch nehmen.
Keiner darf sich schämen,
Das Papier mit der Hand in den Nachttopf zu tauchen.
Wenn es ganz weich ist, wird es zu Klößen geballt
Und mit aller Wucht gegen die Decke geknallt.
Man darf auch vorher schnell noch Popel hineinkneten.
Solche Klöße bleiben oben minutenlang kleben.
Jedes Kind muß nun unter einen der Klöße treten
Und den offenen Mund nach der Decke erheben.
Vorher singen alle im Rund:
„Lieber Himmel tu uns kund,
Wer hat einen bösen Mund.“
Bis der erste Kloß runterfällt
Und trifft zum Beispiel Fannis Gesicht.
Dann wird die Fanni umstellt.
Und alle singen (nur Fanni nicht):
„Schweinehündin, Schweinehund!
Himmelsklöße taten kund:
Du hast einen bösen Mund.
Sperrt sie in den Kleiderschrank
Wegen ihrem Mordsgestank.“

Steckt eurem Vater frech die Zunge
Heraus. Und ruft: „Prost Lausejunge!“
Dann — wenn er vorher auch noch grollte —
Vergißt er, daß er euch prügeln wollte
(1924)