Unmut zur Unzeit

Ein Angebot von diversen Messern im Supermarkt zu 59,50 Euro. Das finde ich für ein Kochmesser nicht teuer. Da ich schon immer eines besitzen wollte, wodurch meine geringen Kochkünste geadelt würden, und gerade etwas Geld übrig habe, war ich bereit, den Betrag zu zahlen. Die Frau an der Kasse stutzte und fragte: „Haben Sie kein Heft?“ Ich hatte vorab gesehen, dass es das Messer mit einem Heft voller Rabattmarken, hier „Treuepunkte“ genannt, wesentlich günstiger geben würde, nämlich zu 19,50 Euro. Aber ich sammle keine Treuepunkte oder dergleichen, also „nein.“

Sie fragte ungläubig, aber mit mehr Nachdruck: „Haben Sie kein Heft?!“
„Nein!“
„Mal die Frau fragen.“ Gemeint war die Frau an meiner Seite, die gerade weg gewesen war, um nachträglich Süßkartoffeln abzuwiegen.
„Haben Sie kein Heft?!“
„Nein“, sagte sie irritiert.
„Nun lassen Sie mich doch einfach das Messer kaufen! Das ist doch nicht Ihr Geld“, sagte ich und klang schon weit ungehaltener als mir lieb war. Sie aber griff zum Telefon und rief den Abteilungsleiter an, schilderte den Fall und bekam das Okay, mir das Messer zu 19,50 Euro zu verkaufen.
„40 Euro gespart!“, sagte sie triumphierend, und mein gesamter Einkauf inklusiv Messer kostete jetzt soviel wie das Kochmesser alleine gekostet hätte. Ich bedankte mich, zahlte und packte beschämt meine Sachen ein. Mir tut noch heute Leid, dass ich nicht mit der Freundlichkeit der Kassiererin gerechnet habe und so ungehalten gewesen bin. Zum Glück hat die dumme Maske das meiste geschluckt.