Mobilfunk zur Steigerung der Arbeitsmoral

Ein großer Wohnkomplex in meiner Nachbarschaft wird seit über einem Jahr aufwändig saniert. Ich komme vom Einkauf und sehe einen Mann in Anstreicher-Kleidung wie er das Straßenschild mit seinem Smartphone fotografiert. Einen Moment denke ich, dass sein Interesse dem Schild gilt. Aber daran ist nichts Besonderes. Es wird keine Fotokunst im Entstehen sein, obwohl man einem Anstreicher nicht leichtfertig den Willen zur Kunst absprechen darf. Ich kenne einen renommierten Künstler, der Malermeister im elterlichen Anstreicherbetrieb war, bevor er sich vom Handwerk abwandte und an der Düsseldorfer Kunstakademie studierte, später dort sogar einen Lehrauftrag bekam.

Ein Blick auf den Mann, zeigt mir, dass er kein Fotokunstprojekt betreibt, was auch während der Arbeitszeit gewiss unerlaubt wäre. Die herumstehenden Firmenwagen eines Anstreicherbetriebs tragen eine Delmenhorster Nummer. Man ist also am Morgen von Delmenhorst angereist, und jetzt dokumentiert der Vorarbeiter seinem Chef den Zeitpunkt ihrer Ankunft per Foto und Messenger. Genau weiß ich das freilich nicht. Ich habe es mir zusammengereimt. Ich weiß auch nicht, ob der Delmenhorster Chef einen Grund hat, seinen Leuten zu misstrauen. Bestünde die Gefahr, dass sie statt legal anzustreichen vom Weg abkommen, um vielleicht irgendwo illegal zu pinseln bzw. unzüchtig herum zu juckjacken?

Ich jedenfalls würde nicht gerne arbeiten, wenn ich mich selbst erniedrigen und mein Smartphone wie eine fotografische Stechuhr nutzen müsste, sondern danach erst mal  in aller Ruhe die Bildzeitung studieren. Das hätte der Chef dann davon.

6 Kommentare zu “Mobilfunk zur Steigerung der Arbeitsmoral

  1. Meine Oma hat mal in einer fremden Stadt ihr Auto „verlegt“. Hätte sie mit einem Handy (die noch nicht fur die Allgemeinheit zugänglich waren) das Straßenschild fotografiert, hätte sie es Stunden eher wiedergefunden. Vielleicht hatte Dein Arbeiter Angst, seine Baustelle zu verlegen, wenn er in der Mittagspause zum Bäcker geht.

    Gefällt 1 Person

    • Als ich noch in Aachens Innenstadt lebte, musste ich zum Parken oft um den Pudding fahren und wusste am Morgen auch nicht, wo ich das Auto abgestellt hatte. Aber anders als deine Oma und ich wird der Anstreicher einen Auftragszettel haben, auf dem die Adresse steht.

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