Forschungsreise Rheinland (1) – Pommes in Bonn

Niemand fährt nach Bonn, um Pommes Frites zu essen. Trotzdem befällt mich dort ein unbändiger Pommeshunger. Leider finden wir nur McDonalds, wo ein junger Mann, Typ „Hauptschulabschluss nicht geschafft“, in seinem Element ist. Er darf die Masken kontrollieren, Meldezettel ausgeben und Plätze zuweisen. Mit geschultem Blick erkennt er mein Befremden angesichts dreier Bestellbildschirme und befindet: „Ältere Herrschaften mögen ja nicht am Tuch-Screen bestellen. Sie dürfen durchgehen zur Bestelltheke.“ Anschließend weist er uns großzügig einen Platz „in der Spiele-Ecke“ zu, wo „ältere Herrschaften“ wohl am besten hinpassen. Die Spielgeräte sind vorsorglich gesperrt.

Seit wann es Fastfood gebe, will beim Abendessen unser junger Gastgeber wissen. Staunend erfahren die jungen Leute, dass es in der Republik tatsächlich mal eine Zeit ohne Fastfood gegeben hat. Ich erinnere mich, wie im Jahr 1961 erstmals von einer Pommes-Bude am Freibad unserer Kreisstadt geredet wurde. Damals hat sich mir unbefangenem Kind nicht erschlossen, was damit gewonnen wäre, Bratkartoffeln für unterwegs zu kaufen. Nach dem ersten Kauf war ich enttäuscht vom laffen Geschmack, der erst durch den Klacks Majonäse aufgehübscht wurde. Anfang der 1970-er Jahre tauchte in den Städten erstmals die Hamburger-Kette „Wimpy“ auf. Sie wurde aber bald von anderen Ketten mit besser konfektionierten Hamburgern verdrängt. Aus McDonalds verdrängt man offenbar das Verkaufspersonal. Kunden dürfen sich zukünftig mit frigiden Automaten herumschlagen. Trotzdem ein hoffnungsfroher Anfang. Dann müssen die nur noch Automaten bauen, die den Fastfood-Dreck unbeschadet fressen können.

Aachener Automatenschicksal: „cabot“ (kaputt) – Foto: JvdL – größer: Klicken

Dass auch Automaten ein Alterungsproblem haben, erfahren wir Tage später in Aachen. Die Bildschirme der Fahrschein-Automaten der Aachener Verkehrsbetriebe (ASEAG) sind allesamt tot. Wir halten das für eine der widersinnigen Corona-Schutz-Maßnahmen, wie ja auch am Vatertag nur Bollerwagen erlaubt waren, denen man das vierte Rad blockiert hat. Eine Frau in der ASEAG-Fahrkarten-Verkaufsstelle teilt uns mit, dass die Automaten schon vor Corona abgestellt worden sind:
„Die sind esu alt, dafür jibt et keine Ersatzteile mehr.“ Doch in Aachen sind wir noch lange nicht.
Fazit Bonn: Wäre ich König von Deutschland, würde ich im schönen Bonn residieren, nicht im überschätzten Berlin.

Fortsetzung

15 Kommentare zu “Forschungsreise Rheinland (1) – Pommes in Bonn

  1. Schöner Bericht, Danke dafür. Überhaupt sind das komische Gewohnheiten, unterwegs im Gehen essen oder Kaffee trinken. Ich trinke keinen Kaffee-to-go, bin doch nicht auf der Flucht. Die Beründung für den Elektronikschaden finde ich toll, könnte man auf viele Einrichtungen übertragen. Wir haben Glück, das unsere Vorgänger nicht alles verschliessen haben.

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  2. Herrje, also sind in Aachen sogar die Fahrschein-Automaten tot! Welch ein Elend. Ob die etwa vor Langeweile gestorben sind? Schon Heinrich Heine wusste ja in “Deutschland. Ein Wintermärchen“ über etwaigen Kurzweil in Aachen wenig zu berichten:

    Zu Aachen langweilen sich auf der Straß’
    Die Hunde, sie flehn untertänig:
    »Gib uns einen Fußtritt, o Fremdling, das wird
    Vielleicht uns zerstreuen ein wenig.«

    (Freilich weiß ich, dass Sie 25 Jahre in Aachen gelebt haben. Wenn Sie mir darum meinen garstigen Kommentar nachsehen möchten, wie ich hoffe ; )

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    • Schon aus literarischer Sicht ist Ihr Hinweis auf Heines Satire nichts Schlimmes, lieber Kollege. Heute würde er sicher anders urteilen; zu kritisieren gäbe es einiges. Darüber hinaus ist Aachen ungemein reizvoll, wass ich nach langer Abwesenheit wieder empfunden und genossen habe.

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  3. Bonn ist wirklich schön, mal ganz abgesehen davon, dass eine Stadt mit einem Rheinufer ohnehin schon mächtig punktet. Zum schnellen Essen: Die Wurst auf die Hand gab es schon früh, im Keller, gut, im Untergeschoss des Kaufhofs in Hagen bekam ich als Kind immer eine heiße Fleischwurst mit Senf und Brötchen, die dann am Stehtisch verzehrt wurde. Dann folgten irgendwann die Hähnchenstände, keine Verlockung für mich, weil ich mit Geflügel nie was anfangen konnte. Fritten kamen dann in den Hagener Stadtteilen in den Sechzigern an. Aber zu der Zeit war mir das Eis aus Konditorei lieber.

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    • Stimmt, die heiße Bockwurst mit Brötchen habe ich vergessen, dann die Currywurst. Hähnchen und die Wienerwald-Kette folgten. Die Dörfler in meiner rheinländischen Heimat bestellten auswärts ein Brathähnchen, weil es hieß, das dürfe man mit den Fingern essen. Der halve Hahn in Köln ist aber ein halbes Röggelchen mit einer dicken Scheibe Gouda.

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