Die Malkunst der Virologen

„Haben Sie viele Coronafälle?“, frage ich meine Ärztin., die ich quasi routinemäßig aufgesucht hatte.
„Nein!“, sagt sie.
„Bei den geringen Fallzahlen in Hannover ist es wohl wahrscheinlicher von einem Auto überfahren zu werden“, ergänze ich. Das findet sie auch und sagt, dass sie diesem Coronagedöns [mein Wort] kritisch gegenüber stehe. Sie halte sich natürlich an die Vorgaben, was ich bestätigen kann. So setzt sie sich eine Maske auf, bevor sie mein Herz abhört, aber sagt: „Im letzten Jahr hatten wir 20.000 Grippetote. Da krähte kein Hahn nach.“ Ein Aushang an der Tür besagt, dass nur eine Maske tragen solle, wer eine Atemwegserkrankung habe. Bei anderen bestünde keine Evidenz des Nutzens. Ich bin zweimal beruhigt, einmal eine Meinung aus der ärztlichen Praxis zu hören, die meine Ansichten bestätigt, und zum anderen, weil mein Herz brav geklopft hat.

Die Praxishelferinnen tragen zur Tastaturbenutzung Latexhandschuhe. Ich sehe bei der einen schweißfeuchte Stellen in den Handschuhen, der Nährboden für Bakterien. Arme Frau. Warum sind die Schutzmaßnahmen so disfunktional? Denkt da keiner richtig nach? Sind denn alle einem kollektiven Irrsinn verfallen? Wenn man böse Drahtzieher wie dem James-Bond-Film entsprungen ausschließt, bleibt nur dieser Schluss. Unsere Entscheidungsträger sind Opfer der von ihnen selbst geschürten Panik, haben den Teufel an die Wand gemalt und erschrecken jedes Mal, wenn sie seiner ansichtig werden. Freilich lassen sie ab und zu einen Virologen mit dem Farbtopf ran, damit die Darstellung nicht verblasst. Und die Kerle können nicht mal gut malen. Zum Erschrecken reicht wohl deren schlichte Maumännchen-Kunst.

Ein Spaziergang führte uns über einen recht breiten Weg an einem Waldrand entlang. Auf der anderen Seite war ein Graben. Vor uns hielten zwei Radfahrer am Wegesrand. Das ältere Paar betrachtete uns ängstlich und wäre wohl lieber in den Graben gefallen als unsere Nähe zu ertragen. Soziale Distanz kann auch gefährlich sein.

9 Kommentare zu “Die Malkunst der Virologen

  1. Dann waren Sie also 2020 bei der Ärztin? Ich frage deshalb, weil sie von 20000 Grippetoten im „letzten Jahr(2019)“ sprach. Von der 40. KW 2019 bis zur 17. KW 2020 wurden im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) 185.893 labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle an das RKI übermittelt; 476 Menschen waren an der Grippe gestorben. Just saying.

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      • Interessant der link. Auch da wird bereits sehr massiv für die Impfung der sog. Risikogruppe geworben, aber nicht angegeben, wie viele der Grippetoten zuvor geimpft worden waren und wie viele nicht. Hast du oder hat irgendein Mitlesender vielleicht eine solche Statistik gesehen? Ich finde keine.

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          • Ich habe jetzt noch mal gesucht und fand beim Bayrischen Rundfunk vom Februar d.J. einiges: 06.02.2020, 12:53 Uhr Warum kann man trotz Grippeimpfung krank werden?

            „Die Schutzwirkung von Grippe-Impfstoffen beträgt bei jungen Erwachsenen gut 80 Prozent – wenn eine gute Übereinstimmung zwischen den vorherrschenden Grippeviren und dem Impfstoff besteht. Anders sieht das bei älteren Menschen aus, für die eine Grippeimpfung empfohlen wird.“ warum? „Das Immunsystem älterer Menschen arbeitet aber nicht mehr so effektiv wie bei jungen Menschen“. …“Das heißt aber nicht, dass ältere Menschen von vorneherein auf eine Impfung verzichten sollten. Im Gegenteil: Auch wenn ihr Immunsystem nicht mehr so gut arbeitet, …. Die Wirksamkeit einer Impfung liegt bei älteren Erwachsenen zwischen von 41 bis 63 Prozent – je nach Wirksamkeit des Impfstoffes: „Wenn im Laufe einer Influenzasaison von 100 ungeimpften älteren Erwachsenen 10 an Grippe erkranken, erkranken von 100 geimpften älteren Erwachsenen nur etwa 4 bis 6,“ so das Robert-Koch-Institut (RKI)…. „Um die Wirksamkeit von Impfstoffen bei älteren Menschen zu verstärken, wurden wirkverstärkte Grippeimpfstoffe entwickelt (sogenannte „adjuvantierte“ Impfstoffe). Diese sollen einen besseren Schutz bieten. Inwieweit sie tatsächlich im Falle einer Infektion besser schützen, ist noch nicht abschließend geklärt, so das RKI. Allerdings können bei diesen Impfstoffen stärkere Nebenwirkungen auftreten.“

            Hallooo! Als klar?

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  2. Ich beurteile das alles ganz anders als Du, aber man muß ja auch nicht immer einer Meinung sein. Deine Virologenschelte halte ich für völlig unangemessen. Wenn die Wahrscheinlichkeit, heute in Hannover von einem Auto überfahren zu werden, höher ist, als an dem Virus zu erkranken, haben wir das wahrscheinlich den Virologen zu verdanken. Und das kann sich ganz schnell ändern, wenn man sich Bad Ischgl in Erinnerung ruft. Virologen entscheiden gar nichts, sondern machen nur ihren Job – vielleicht unterschiedlich gut, das kann natürlich sein. Entscheidungen fällen die Politiker, die dafür von Experten beraten werden. Daß die Bundesregierung auf den Experten Christian Drosten gehört hat, halte ich für eine glückliche Fügung, sonst sähe es in Deutschland heute vielleicht so aus wie in anderen europäischen Ländern oder den USA: Leichenberge, von denen man nichtmal weiß, wie man sie vor der Beerdigung kühlen soll. Coronagedöns?
    Daß im Winter 2017/18 mehr als 25.000 Menschen an der Grippe gestorben sind und kein Hahn danach krähte, ist doch kein Argument gegen den jetzigen Umgang mit dem Corona-Virus: Was will man denn damit sagen? 25.000 Tote verkraften wir leicht, und solange wir das nicht übersteigen, sollten wir uns nicht so anstellen? Die hohe Todeszahl hatte das RKI übrigens erst ein Jahr später festgestellt, als schon längst alles vorbei war, hier kann man die ganze Geschichte nachlesen:
    https://www.freitag.de/autoren/ulrike-baureithel/eine-gewisse-gelassenheit

    Gummihandschuhe, da gebe ich Dir recht, sind allerdings kompletter Blödsinn.

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    • Wir sind so oft einer Meinung, dass es auch mal anders sein darf. Ich nehme mir das Recht, die Sitruation anders zu beurteilen als du und das Rudel unserer Leitmedien. Meine Argumente und Bedenken habe ich in einigen Blogtexten vorgebracht. Du weißt auch, dass die Ansteckungswelle von Ischgl und Heinsberg nicht hätte ausgehen müssen, wenn die Behörden beizeiten reagiert hätten. Wenn der NDR dem von dir genannten Heilsbringer Drosten einen täglichen Podcast einräumt, alle Zeitungen und Zeitschriften ihn feiern, abweichende Urteile von anderen Fachleuten aber negieren, muss ich schon mit sehr dickem Pinsel malen, um dagegen anzukommen. Als ich meine Bedenken erstmals hier formuliert habe,
      https://trittenheim.wordpress.com/2020/04/24/zirkus-des-schlechten-geschmacks-weisses-faehnchen/
      dann mit dem Wunsch, ich würde mich irren. Nach wie vor hoffe ich, dass du Recht behältst und der Nutzen aller Maßnahmen höher ist als der Schaden,
      Danke für den Link.

      Liken

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