Zirkus des schlechten Geschmacks – Weißes Fähnchen

Seit 15 Jahren schreibe ich in meinen Blogs in dieser Rubrik gelegentlich meine Meinung zu gesellschaftspolitischen Themen. Zum ersten Mal wünsche ich mir, völlig falsch zu liegen, wünsche mir, bald von den Entwicklungen widerlegt zu werden. Liege ich falsch, macht es nichts, denn so oder so wird mein Text wie ein weißes Fähnchen sein, das im medialen Sperrfeuer untergeht. Seit Beginn der sogenannten Corona-Krise, habe ich alle Maßnahmen gegen die ausgerufene Pandemie misstrauisch beäugt, habe mich innerlich aufgelehnt gegen die plötzliche Erhebung von Virologen zu medialen Popstars. Für mich waren diese Leute die falschen Propheten der Apokalypse. Dabei sind sie vermutlich nur die nützlichen Fachidioten einer weltweiten sozialen Krise und sich der Tragweite ihrer nassforsch ausgeplauderten Weisheiten nicht bewusst. Wie sollten sie auch? Die Vorlesungen zur medizinischen Soziologie haben sie vermutlich geschwänzt, und niemand hat ihnen beigebracht, den Verlockungen medialer Aufmerksamkeit zu widerstehen. Ich würde den Drohszenarien der Virologen und epidemiologischen Mathematiker gerne vertrauen, wie sie täglich von den durchgeknallten Medien getrommelt werden, wenn durch sie nicht die Abschaffung demokratischer Rechte in erschreckendem Ausmaß legitimiert würden.

Wenn es einst hieß, dass unsere Kampagnenjournalisten mal wieder eine Sau durchs Dorf treiben, so war ein Ende des Leidenswegs abzusehen, doch derzeit wird die arme geschundene Sau von einem Ende zum anderen gepeitscht, so dass sie kopflos hin und her prescht. Unklar ist, wer in der Rolle der Sau steckt, vielleicht die meisten von uns.

Derzeit wird bundesweit eine Maskenpflicht eingeführt. Zehntausende sitzen zu Hause und nähen Masken, deren Wirksamkeit umstritten ist. Kürzlich berichtete ein Publizist von zwei Leuten im Auto. Beide trugen einen Mund-Nasen-Schutz. Er fand das Szenario dadaistisch. Dada ist unschuldig, aber Gaga könnte man die absurdistischen Geschehnisse nennen. Sie sind Ausdruck einer gigantischen Desorientierung. Ich würde glauben, dass es bei allem um den Schutz unserer Gesundheit geht. Doch kann man das glauben, wenn unsere Regierenden Maßnahmen beschließen, die sich mit unfassbarer Brutalität gegen die Schwächsten in unserer Gesellschaft richten? Ist nicht der Schutz der Familie sowie der Schutz des Kindes ein ebenso hohes Gut? Alles wäre weniger verdächtig, wenn es nicht daherkäme wie aus dem Drehbuch des Neoliberalismus zur Abschaffung der lästigen Demokratie. Dazu gehören die propagierte „soziale Distanz“, Apps zum Bewegungstracking, das zunehmende Diktat der bargeldlosen Bezahlung, die Knechtung der Armen. (Vergl. den Kommentar von Arno Luik) An ein Drehbuch des Neoliberalismus dachte ich von Beginn der Corona-Krise an, aber konnte mir die Frage „cui bono?“ nicht beantworten. Wenn man liest, dass große Unternehmen Milliarden Staatshilfen kassieren, doch Dividenden in ebensolcher Höhe zahlen wollen, wissen wir, wer die Nutznießer sind.

Die apokalyptischen Reiter und eine Reiterin, (die in der Johannes-Offenbarung vergessen wurde), (Fotomontage aus der HAZ)

Ein Virologe namens Drosten beobachtet nach eigenem Bekunden, dass die Covid-Fälle in der Berliner Charité zunehmen, das gerade, wenn es überall heißt, dass die berühmte Kennzahl „R“ der neu Infizierten zurückgegangen sei. Wäre Professor Drosten ein guter Arzt und läge es ihm tatsächlich am Gesundheitsschutz der Bevölkerung, würde er ebenso berichten, wie viele Patienten die Charité geheilt verlassen hätten. Denn ein guter Arzt verbreitet keine Panik, sondern spricht Mut zu, weil nur so die Immunabwehr gestärkt wird und die Selbstheilungskräfte von Patienten aktiviert werden. Werden die Geheilten überhaupt gezählt? Höchst verdächtig ist der Umgang unserer Medien mit den Fallzahlen, vergleichen wir mit ihren Jubelarien zu den Verkehrstoten. Da heißt es alljährlich: „Zahl der Verkehrstoten gesunken!“ Warum lesen wir nicht „Zahl der Geheilten von Covid 19 auf Höchstwert gestiegen!“? Warum gibt es nicht ein verlässliches Medium, das Zuversicht verbreitet? Selbst auf die Satiriker ist kein Verlass. Auf dem öffentlich-rechtliche 3Sat macht allabendlich ein Berufszyniker namens Puffpaff den Kaspar und alle lächerlich, die es wagen, den medial verbreiteten Coronawahn zu hinterfragen. Satire tritt nicht nach unten, habe ich gelernt.

In der Sendung Extra3 tritt Satiriker Christian Ehring tatsächlich nicht nach unten, sondern völlig folgenlos nach Donald Trump. Als ob dessen hirnrissige Ideen eine Bemerkung wert wären. Satire soll auch nicht banal sein, keinen Witz machen, den jeder machen könnte, sondern wachen Blickes das Handeln der Mächtigen beobachten. Da reicht es nicht, ihnen per Photoshop eine Pappnase zu verpassen.

Die härtesten Maßnahmen gegen die eigene Bevölkerung beschließt und vertritt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Sehe ich sein durchaus sympathisches Durchschnittsgesicht im Fernsehen, finde ich, dass er die perfekte Verkörperung von Orwells Big Brother ist. Die verdächtigen Floskeln des Neusprech kamen aber von anderen. Da war die Rede von “Wiedereröffnungs-Diskussions-Orgien“ (Angela Merkel) und „neuer Normalität“, an die wir uns gewöhnen müssten (Jens Span, Olaf Scholz). Es darf also laut Merkel nicht diskutiert werden, was Verfassungsrechtler fordern, dass nämlich jede Beschneidung demokratischer Rechte überprüft werden muss hinsichtlich der Nützlichkeit im erklärten Sinne. Damit ist nicht die Nützlichkeit im Sinne einer Abschaffung unserer Demokratie gemeint. Ich hätte nie gedacht, dass mal ein Jens oder ein Olaf versuchen würde, mir Diktatur als „Normalität“ zu verkaufen – im Zirkus des schlechten Geschmacks.