Die WordPress-Horror-Sekretärin

Derweil die meisten Bloggerinnen/Blogger die WordPress-Software als Werkzeug ansehen, mit dem sie ihre Arbeiten veröffentlichen können, und froh sind, wenn sie die dazu notwendigen Verfahrensweisen kennen, schrauben offenbar unterbeschäftigte Programmierer beständig an der Blogsoftware herum. Seit einigen Tagen finde ich mich mit einer neuen Startseite beglückt. Ihr Design erscheint mir wie eine hämische Fußnote zum internationalen Frauentag.
[Als Schreenshot und beschnitten weiter unten – zum Vergrößern bitte klicken]:

Juhu! Das habe ich mir erträumt. Eine dauergewellte Sekretärin mit weißer Hornbrille, die mit dem Stenoblock unterm Arm, rund um die Uhr auf der Matte steht, bereit zum Diktat. Da freut sich der Mann, dass im Jahr 2020 das 1950-er-Jahre-Weltbild neu aufgelegt wird.
Bei genauer Betrachtung ist’s freilich eher eine Horrorfigur, womit ich nicht die misslungene Grafik meine, die bei flüchtiger Betrachtung ungute Gefühle freisetzt, sondern den Begleittext. Die Frau mit der weißen Hornbrille verlangt von mir zu lernen und zu wachsen. Ganz im Sinne der neoliberalen Idee des lebenslangen Lernens ist das ein perfides nach oben offenes Konzept. Gerade kennt man sich mit der Software aus, dann wird wieder etwas „verbessert“, so dass ich umlernen muss. Himmi Sacklzement! Das will ich nicht! Mir würde reichen, wenn die Software keine Fehler mehr hätte und wenn nützliche Abläufe nicht dauernd geändert und verschlimmbessert würden.

    HUHU WORDPRESS! Mich interessiert das von euch diktierte Lernen und Wachsen nicht. Bin quasi ausgewachsen und lerne als emanzipierter Mensch nur, was ich mir aussuche. Ich möchte mich auch nicht ständig mit eurer Software beschäftigen müssen, sondern meine Texte anderen Inhalten widmen. Woanders ist meine Aufmerksamkeit wichtiger – im derzeit durchdrehenden Zirkus des schlechten Geschmacks.