Teestübchen Stilkritik – Verbales Topfschlagen

Tätowierer schlagen Alarm“, meldet der Kölner Express. Warum? Eine neue EU-Verordnung verbietet gesundheitsgefährdende Farben und will damit jene verirrten Existenzen schützen, die sich bunte Bilder in die Haut stechen lassen, was wiederum die Existenz von Tätowierern gefährdet. Teufel auch. Wie man’s macht, macht man’s … Moment! Die Grünen in Niedersachsen schlagen auch Alarm. Es droht eine (hihi) Grünkohlkrise. Au, verdammt! Erst das Corona-Virus und jetzt auch noch Grünkohl! Rollt sie an deutsche Grenzen zum Schutz gegen eine heranstürmende Schweinpest. Die Jäger schlagen Alarm. Sie stehen da auf verlorenem … Grünkohl lässt sich nicht gut rollen? … Das kann warten, denn auch „Krankenhäuser schlagen Alarm!“ Schrecklich. Man muss sich so ein Krankenhaus einmal vorstellen, wie es mit dem Kochlöffel den Nudeltopf bearbeitet, dass es nur so scheppert. Alarm! Alarm! Warum? Krankenhausärzte „ersticken in Bürokratie.“ Während unsere Ärzte lautstark verröcheln, hätten wir fast den Alarm um Schwarzwälder Schinken überhört. Steigende Schweinepreise verteuern den gut abgehangenen Schwarzwälder Schinken. Ob Jungen hier aushelfen können? Ach nein, die werden ja nur in der Schule abgehängt. Anwohner schlagen Alarm wegen Überschuss in Bad Aibling, ähem, Aschhofen. Man will da „Nicht noch mehr Puten!“ Grund: „Mangel an Erziehern droht.“ Der Mangel mal wieder. Alleweil bedroht er unschuldige Alarmrufer wie auch Naturschützer: „Langgöns Feldwege verschwinden.“ Mir doch egal, sagt die Generation Rücksichtslos. Die wird sich noch umsehen, wenn die Flugzeuge vom Himmel fallen. „Piloten schlagen Alarm.“ Wohl primär aus Eigennutz.

Ein unfassbares Getöse schlägt einem alleweil aus den Medien entgegen. Um jeden Quark wird Alarm geschlagen. Das Wort „Alarm“ ist mit „Lärm“ verwandt und wurde im 15. Jahrhundert aus dem italienischen „allarme“ entlehnt. Dort ist es ursprünglich aus „all‘ arme“ (zu den Waffen) hervorgegangen. Kein Wunder, dass die Leute nachts nicht mehr schlafen können.

Weil unsere Journaille das Schreiben ohne Denken liebt, befindet sich die Welt im dauerhaften Alarmzustand. Liebe Journalisten, bitte dieses Sprachkästlein nicht mehr öffnen. Es enthält dummes Zeug.

15 Kommentare zu “Teestübchen Stilkritik – Verbales Topfschlagen

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