Über Klosetts und Verwaltung

Die geringe Verwaltungsarbeit, die mein Leben mir abverlangt, kann ich nebenher erledigen. Sie droht mir nur über den Kopf zu wachsen, wenn ich sie zu lange vor mir her geschoben habe. Beim morgendlichen Weg zum Bäcker komme ich an den Räumen eines Handwerksbetriebs für Installationen, landläufig, „Gas, Wasser, Scheiße“ vorbei. An letzteres gemahnt eine putzige Kindertoilette aus Porzellan, die seit längerem im Schaufenster steht, seit der Adventszeit von einigen Tannenzweigen umgeben.
Dekoration oder Kaufanreiz?

Gibt es einen Bedarf, gibt es Eltern, die nach Anblick des Schaufensters beschließen, ihrem Kind zu Weihnachten ein eigenes Klosett zu schenken? Oder gibt es Kinder, die sich bettelnd an die Schöße ihrer Eltern hängen und sich ein eigenes putziges Kinderklosett wünschen? „Mama, Papa! Ich will ein Klo!“ Offenbar zu wenige, denn das Miniklosett steht im Schaufenster wie festgeschraubt, was natürlich auch besser ist, denn wer wollte schon, dass das edle Kind bei einer Sitzung damit umfällt?

Überhaupt beschäftigt mich die Frage, in welchem Bad genug Platz wäre für ein Erwachsenenklosett und eines für den Kinderpopo? Allein die Rohrinstallationen stelle ich mir kompliziert vor. Die Benutzung ebenfalls, denn sollte sie simultan möglich sein? Ist das überhaupt schicklich?“ Anderenfalls wo bliebe die Kontrolle über den kindlichen Stuhlgang? Stichwort: Aufsichtspflicht. Witzig finde ich auch die Vorstellung, dass ein Kind durch Nahrungsaufnahme und anschließender Defäkation aus dem eigenen Kinderklo herauswächst, sich über die Grenzen seines Klosettbeckens quasi hinausscheißt [verd., jetzt ist es raus!]

Vielleicht ist der Installationsbetrieb überhaupt auf komplizierte Lösungen spezialisiert, bietet natürlich nicht buchstäblich „Lösungen“ an, sondern versichert, alles gut zu verschrauben. Eigentlich wollte ich über ein anderes Thema schreiben: In den beiden Räumen gibt es vier Computerarbeitsplätze. Klar, einer ist zur Planung komplizierter Rohrlösungen mit CAD-Software nötig. Aber die anderen?

Oft sehe ich eine junge Frau, manchmal auch zwei dabei, wie sie offenbar Verwaltungsarbeiten verrichten. Heute Morgen fragte ich mich, ab wann eine Verwaltungskraft nötig wird. Sie muss ja den ganzen Tag zu tun haben. Wann ist bei einem Unternehmen die Größe erreicht, dass man ganztägig eine Verwaltungskraft beschäftigen kann? Und wann, das ist die interessantere Frage, erzeugt diese Verwaltungskraft weitere Verwaltungsarbeit, dass eine zweite dazu kommen muss. Wann verselbstständigt sich das? Gewiss hat mal ein Professor der Betriebswirtschaftslehre etwas dazu veröffentlicht. Ich weiß über das zugrunde liegende Gesetz leider nichts, wüsste ja noch nicht mal, wie und wo man im Bad ein Kinderklosett installiert (Sicherheitsabstand!)

23 Kommentare zu “Über Klosetts und Verwaltung

  1. tsestsestes! sie habe aber auch von gargarnüscht eine ahnung.
    erstens nehme ich mal an, dass sie noch nienich in einem kindergarten waren, wo die kleinen klos in reihe und mit etwas glück sogar durch ebenso kleine wände getrennt rumstehen. die müssen nich ausgetauscht werden, weil die kinder ausgetauscht werden.

    und zweitens ist heute JEDER zu einer ordentlichen buchhaltung verpflichtet. vorbei die zeiten, in denen die draußen-handwerker ihrer buchhalterin am ende der woche eine tüte mit knoddelpapieren auf den tisch schmissen. wer fahrkosten, leistungs- und wasweissich-für zuschläge haben will, muss alles am abend brav auflisten. dass sie da morgens niemanden an den schreibtischen sehen, versteht sich von selbst. die sitzen am ende der arbeit da. und zwar dicht gedrängt.

    Gefällt 1 Person

  2. Lieber Jules,
    ich bin mir sicher, dass es Eltern geben wird, die sich so einen Luxus für die eigenen Kinder leisten, aber in Kindergärten sind diese kleinen Toiletten auch vorzufinden. So braucht es dann bei der Masse nicht immer eine Hilfsperson, die die Kinder auf die Erwachsenenklos heben muss. Auch eine Art von Selbstständigkeit 🙂
    Vielleicht kümmert sich eine der Verwaltungsdamen ja für die Klobedürfnisse der Erwachsenen und eine für die Kinder. Denn wie heißt es so schön: Kleinvieh macht auch Mist und der muss schließlich bürokratisch verwaltet werden.
    Herzliche Grüße
    Serap

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Serap,
      die Idee mit den Kindergärten ist mir jetzt schon mehrfach offeriert worden und ich neige dazu, dem Rechnung zu tragen. Vorher habe ich wohl auch nicht an Eltern geglaubt, die ihr Kind mit einem eigenen Klosettbecken versorgen. Es schien mir zu absurd, weshalb meine Gedanken jeden Morgen um das Teil kreisten wie um das Phänomen einer tendenziell wachsenden Bürokratie, also einer Bürokratie, die sich selber erzeugt. Falls du etwas darüber weißt, sag es mir bitte,
      Herlichst
      Jules

      Gefällt 1 Person

      • Lieber Jules,

        es gibt, glaube ich, sogar Hotels/Hotelzimmer mit Kindertoiletten. Auf jeden Fall gibt es einen Markt für so was. 🙂

        Was die sich selber erzeugende Bürokratie betrifft ist es schwierig eine Pauschalantwort zu geben. Dafür müsste man wissen, was genau, wo an Bürokratie anfällt. Z.B. wird man in Unternehmen, die ISO oder anderweitig zertifiziert sind, sehr viel „Bürokratie“ finden, weil alles haargenau dokumentiert werden muss. Da könnte man zwar die Augen rollen, aber der „Mehraufwand“ den man dadurch hat, bringt auch diverse Nutzen. Schnellere, standardisierte Abläufe, das Rad wird nicht bei jedem Auftrag wieder „neu“ erfunden, bei Reklamationen kann man genau nachweisen, dass man korrekt gearbeitet hat, Folgefehler werden vermieden etc.

        Das ist jetzt natürlich alles sehr pauschal und extrem grob, aber die angebliche Bürokratie, die stattfindet, bringt genügend Nutzen im Gesamtbild mit sich. Nicht immer bedeutet das, dass man als Einzelperson/-kunde dies auch so sieht. Aber Kunden setzen auch viele Dinge voraus oder gewöhnen sich an einen Service, welches nach gewisser Zeit zum Standard wird, so dass der Nutzen sich vielleicht gar nicht wirklich erschließt.

        Herzliche Grüße
        Serap

        Gefällt 1 Person

  3. Obwohl ich BWL studiert habe, lieber Jules, wundert es dich sicher nicht, dass ich mir lieber Gedanken über das Kinderklo mache. Ich teile deine Gedanken und würde wirklich gerne wissen ob es in Privathaushalten Verwendung findet. Ich tippe auf Kindergärten.
    Ob ich richtig liege könnte vielleicht eine Dame aus der Verwaltung klären. Wahrscheinlich aber nicht, weil sie mit anderen beschäftigt ist.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.