Schwerer Hirnriss im Menschenverstand dank Corona

Brav melden unsere Medien jährlich die Zahl der Verkehrstoten und finden’s gut. So frohlockte der Tagesspiegel im Jahr 2009: „Berlins Straßen sind die sichersten Deutschlands – Jedes Jahr ein neuer Rekord: Die Zahl der Verkehrstoten sinkt seit Jahren. 2009 registrierte die Polizei nur 48 Tote, so wenig wie nie zuvor seit dem Krieg. Zum Vergleich: 1999 waren es 103 Tote, 2008 noch 59.“
Wir spüren die Macht der Autoindustrie. Jährlich werden in ganz Deutschland etwa 3000 Menschen im Straßenverkehr getötet, aber immer finden die Medien einen freudigen Anlass: Für das Jahr 2019 jauchzt die Zeitschrift Auto Motor Sport: „Neuer Tiefststand erwartet – Im November 2019 sind in Deutschland 218 Menschen bei Straßenverkehrsunfällen ums Leben gekommen, 18 Personen weniger als im November 2018. Für das Gesamtjahr gehen die Statistiker von einem neuen Tiefststand aus.“

Um etwa 3000 Verkehrstote jährlich zu toppen, müssten wir mindestens eine Kompanie Selbstmordattentäter ins Land holen. Aber warum ausländische Arbeitskräfte für eine Sache anwerben, die wir selber viel besser können, zumal ein paar verstreute Sprengsätze zwar saftige Kollateralschäden anrichten, aber nicht geeignet sind, eine Dunstglocke aus Abgasen über die Städte zu stülpen. Bei ausgedehnten Wanderungen oder Radtouren durch den Wald bekomme ich häufig Kopfschmerzen. Da sind einfach nicht genug Abgase in der Luft, weshalb Selbstmordattentäter für mich keine Alternative sind. ADAC-Mitglieder sind zuverlässiger. Das ist noch gute deutsche Wertarbeit. Und so gesehen, bin ich doch ziemlich froh, dass die Autoindustrie weiterhin kein Tempolimit auf deutschen Autobahnen erlaubt.

Gerade hat der Europäische Verkehrssicherheitsrat alarmierende Zahlen veröffentlicht. Zwischen 2010 und 2018 sind europaweit im Straßenverkehr 70.000 Fußgänger und Radfahrer getötet worden, 24 Mitmenschen pro Tag. Dazu sendet die ARD keinen Brennpunkt, Maybrit Illner lädt keine durchgeknallten Experten, auch sonst leiden unsere Qualitätsmedien unter selektiver Wahrnehmung. Woran liegts? Das Corona Virus hat nicht nur fünf (5!) deutsche Mitbürger erkranken lassen, darüber hinaus verursacht es ein einziges Chaos in den Redaktionsoberstübchen, und zu den von ihm verursachten Krankheitssymptomen müssen unbedingt schwerer Hirnriss und fortgeschrittene Hysterie gezählt werden.

In einem Land, in dem die Autoindustrie den Ton angibt, wird die Meldung von mehr als 70.000 Verkehrstoten rasch beiseite gewischt oder aber witzig euphemistisch umschrieben. Die Menschen, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs waren und seien sie „bei Unfällen gestorben, an denen ein Motorfahrzeug beteiligt war.“ (Tagesspiegel) Dass Menschen einfach so bei Unfällen sterben, gibt es ja, vom Zusehen etwa – vor lauter Aufregung. Wenn „Motorfahrzeuge“ beteiligt waren, dann wurden die 70.000 Fußgänger und Radfahrer wieder mal von diesen saugefährlichen Rasenmähern gekillt.