Nachrichten aus einer jüngst versunkenen Zeit


Es gab eine Zeit, da fühlte ich mich in Hannover wie ein Außerirdischer, den es unglücklicherweise auf einen fremden Planeten verschlagen hatte. Ich saß beispielsweise in der belebten Fußgängerzone der Georgstraße im Stadtzentrum und dachte, all die Menschen und kein einziges bekanntes Gesicht. Lauter Fremde und keine einfache Gelegenheit, es zu ändern. Aus dieser Isolation auszubrechen, war nicht einfach, zumal die Hannoveraner zwar freundlich, aber nicht kontaktfreudig sind.

Prinzipiell sollte es passen, denn ich bin ebenfalls freundlich, aber nicht besonders kontaktfreudig, zumindest nicht, was Niedersachsen betrifft. So habe ich hier inzwischen einen Freundeskreis, aber keine einzige, kein einziger ist gebürtig aus Hannover. Eben auf dem Parkplatz eines Discounters kam mir die ehemalige Wirtin unseres geliebten Stammlokals Leinau3 entgegen und umarmte mich herzlich. Wir waren uns immer schon zugetan gewesen, auch bevor sie meinen Text über das Leinau im Internet entdeckt hatte. Indem unser Stammlokal schloss, ist unglücklicherweise auch die HaCK-Gemeinschaft zerfallen, weil fast zeitgleich zwei wichtige Mitglieder weggezogen sind. (Im legendären Gif  unter dem verlinkten Beitrag noch zu sehen). So war die heutige Begegnung die reine Freude, weil Erinnerung an eine schöne Zeit. Im gemütlichen Leinau-Raucherzimmer, in dem wir oft gesessen und Elferkränze Kölsch geleert haben, gab es einen Schaukelstuhl, dessen rechte Armlehne lose war. Ich bedauere, dass ich in all der Zeit immer wieder den Holzleim vergessen habe, den Stuhl zu reparieren. Eine Sache, die ich hätte tun wollen in meinem Leben, aber nicht verwirklicht habe. Der Lauf der Welt hätte sich verändert mehr noch als damals, als ich zwei Teller von meinem Tisch in die Küche getragen habe.

Die Wirtin, von der Last des Leinau befreit, sah allerliebst aus, hatte sich aber Silvester verletzt. So dreht sich deren Welt auch weiter, wenn man Menschen aus den Augen verloren hat, auch wenn das hier im Blog an anderer Stelle schon bestritten oder zumindest angezweifelt worden ist.