Digitale Verblödungsversuche

Leider kann ich mich nicht dazu durchringen, ein Ärgernis aus meinem Leben zu entfernen. Mir fehlen die nötigen Kenntnisse. Vermutlich gibt es im Internet eine Anleitung, wie es zu tun ist – oder auch nicht. Würde ich nach einer Anleitung suchen und sie wäre dann zu kompliziert für mich oder deren Ausführung würde mir mehr Lebenszeit abverlangen als mich das Schreiben dieses Textes kostet, wäre ich doppelt frustriert. Und eigentlich reicht mir das einfache Ärgernis, das mich jedesmal begrüßt, wenn ich meinen Rechner nutzen will. Worum geht es?

Wie man sich denken kann, nutze ich diese Gerätschaft hauptsächlich zum Schreiben, Gestalten, Publizieren und für Fernkommunikation. Ich schalte den Rechner nie einfach so ein, sondern immer mit einem konkreten Ziel vor Augen. Die Windows-Oberfläche empfängt mich stets mit einem Postkartenmotiv, wobei das Wort ein wenig aus der Zeit gerutscht ist, denn die prächtigen Ansichten diverser Landschaften unseres Planeten, die grandiosen Sonnenauf- und Untergänge sind ja längst nicht mehr nur auf kitschigen Postkarten abgedruckt, sondern in riesigen digitalen Stockfotosammlungen zu finden.

Windows zeigt mir also allmorgendlich den touristischen Blick auf die Welt. Der ekelt mich an. Ich will das nicht. Es werden Fragen eingeblendet oder Infohäppchen angeboten, um mich neugierig zu machen, damit ich dem nachgehe, aber erstens gestehe ich einem tumben Algorithmus kein Fragerecht zu, wie ich hier schon mal dargelegt habe , zweitens möchte ich mich nicht geschmäcklerisch mit Postkartenkitsch beschäftigen. Der Massentourismus ist mir zuwider und noch mehr ist mir zuwider, mir anzuschauen, was geistlose Touristen irgendwo an einem angesagten Fotostandpunkt geknipst haben, vom Selfiewahn ganz abgesehen.

Am meisten ärgert mich die tumbe Hartnäckigkeit, mit der Windows mich immer wieder zu ködern versucht. Vor einer Weile hat sich ja der Programmierer bei der Weltgemeinschaft für die Erfindung der Pop-up-fenster entschuldigt, und wie ich hörte, hat auch der Mensch sich entschuldigt, der das unendliche Scrollen von Info-Material erfunden hat, so dass man nie ans Ende einer Seite gelangen kann. Ich wünschte, die würden sich vorher überlegen, welchen hinterhältigen Anschlag auf menschlichen Geist sie einfach so daherprogrammieren. Von der Entschuldigung hat man doch nichts. Ich würde mich hingegen freuen, wenn jemand eine simple Postkartenkitsch- Abschaltmöglichkeit programmieren würde. Man kann das hier als Jammern auf hohem Niveau abtun. Doch ist mein Wunsch nicht tatsächlich nötig zum Zwecke der Psychohygiene?

21 Kommentare zu “Digitale Verblödungsversuche

  1. lieber jules, ich bin einstrenger herr meiner browser-knechte. sie dürfen nichts–gelegentlich erlaube ich ein mir wichtiges script, sonst niente. meinapfel ist darüberhinaus penetrant genug. jede noch so unwichtige nachricht zeigt er mir eifrig an, auch wenn ich mich einigermaßen erfolgreich bemühe jeden aufmerksamkeitsschwachsinn des computerbespaßungswahnsinns zu unterdrücken oder gar auszumerzen. gut das ich kein smartfon oder tablet habe, da ist das nämlich noch schwerer. grüße aus dem grauen nürnberg cd:)

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  2. Obwohl mir selbst die Bilder gefallen, kann ich nachvollziehen warum es dich stört, lieber Jules. Ich drück die Daumen, dass damit dem Link funktioniert es dauerhaft abzustellen. Der ewige Hinweis doch darauf zu klicken, stört mich übrigens auch.

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  3. ich mag dieses zeugs. es belastet mich gar überhaupt nicht.im gegenteil, manchmal klicke ich sogar auf „gefällt mir“. was ich sehr viel weniger schlimm finde als all diese werbung, die mich ereilt, wenn ich bei g….gel und co. nach irgendwas gesucht habe.

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