Einstürzende Altbauten – eine gruselige Groteske – 2

Ein Glück, ich schließe die Flügeltür und sperre die Deppen aus. Dann verberge ich mich in der selten genutzten Bibliothek, ganz hinten, wo das voluminöse dreibändige Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens steht. Ich warte, bis alle gegangen sind und der bocksbeinige Hausmeister seine letzte Runde gemacht hat.

Es ist still. Kein Getrappel mehr von den Stöckelschuhen der Sekretärinnen auf den Gängen, keine leisen Flüche, kein Ächzen und Maulen mehr der studentischen Hilfskräfte, kein Schlagen von Türen. Endlich bin ich allein. Welch ein erbärmliches Leben ich doch führe, so abhängig von der Gunst vieler Menschen und allzeit gezwungen zu machen und zu tun, um meinen kargen Unterhalt zu sichern. Mein Kummer überwältigt mich. Unter dem riesigen Wandbild des heiligen Aldebert sinke ich auf die Treppe und starre vor mich hin. Weiterlesen