Das Geschenk – eine Anekdote

Ein Maler, der seit über 30 Jahren mit seiner Kunst unbeachtet geblieben war, zu Recht, wie einige sagten, der schlich sich auf einen Geburtstagsempfang im Rathaus, den die Stadt zu Ehren ihres verdienten Kultursenators gab. Mit einem seiner besten Gemälde unterm Arm gelang es dem Maler, sich durch die Menge zu kämpfen und bis zum Jubilar vorzudringen. Unter den Augen der Pressevertreter, die den Senator umringten, riss der Maler Paketband und Packpapier von seinem Gemälde und bot es mit zitternden Armen dar. Wie aber ringsum schon das Blitzlichtgewitter losbrach und alles für den armseligen Triumph des Malers wie bereitet schien, da verschränkte der Senator die Hände hinter dem Rücken und sagte, indem er kalt auf das Bild hinabsah: „Meine Frau duldet nicht die weitere Einbringung von Gegenständen in unseren Haushalt.“

12 Kommentare zu “Das Geschenk – eine Anekdote

    • So kanns gehen. Mit 17 besuchten Freunde und ich eine Ausstellung im Rastatter Schloss. Der Maler der farbenfrohen Bilder fragte uns Jüngchen, ob wir ihm nicht Kontakte zu Kölner Galerien vermitteln konnten – so verzweifelt rang dieser Mann um Anerkennung.

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  1. Autsch. Das tat beim Lesen weh.
    Vorausgesetzt, das Bild ist nicht in irgendeiner Weise anstößig, beleidigend oder gar gegen jegliche Sitten. Dann wäre vielleicht die Reaktion des Senators in gewisser Form verständlich. Ein etwas unbeholfener, aus der Situation heraus entsprungener, diplomatischer Versuch.
    Aber, so wie der Maler hier beschrieben wurde, trifft das wohl nicht zu(?).
    Herzliche Grüße
    Serap

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    • Upps, wollte ich nicht, liebe Serap. Der reale Kern der Anekdote stammt aus der ZEIT 23.12.1993, Dort war zitiert der Ausspruch von Manfred Rommel, damals Oberbürgermeister von Stuttgart, als ihm ein Bürger noch einen Briefbeschwerer zum 65. Geburtstag schenken wollte. Der Maler ist demgemäß erfunden.
      Lieben Gruß
      Jules

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      • Interessant.
        Nun, mein Gedanke war: „Was, wenn die Geschichte eine nicht erzählte Seite hat?“
        Der Mensch tendiert ja dazu, sofort alles zu bewerten und in Kategorien zu stecken. Jedoch gibt es manchmal eben auch andere Punkte, die eine Anekdote in einem anderen Licht erscheinen lassen würden. Daher mein Gedanke, ob ggfls. das Ganze nicht auch einen Twist besitzen könnte.
        Nichts desto trotz, ist mein erstes Gefühl natürlich immer noch: „Autsch, das tut wirklich weh.“ Der Herr Oberbürgermeister hätte vielleicht doch einen Kurs in Diplomatie besuchen sollen.
        Herzliche Grüße
        Serap

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  2. Hört – Ihr Leut,
    es schlägt die Trommel,
    höret heut
    von Manfred Rommel,
    dem ein bürgerlich Verehrer
    schenken wollt ´nen Briefbeschwerer.
    Abgelehnt wurd das Geschenk
    von Herrn Rommel, eingedenk
    weil daheim er wohl als Gatte
    leider nichts zu sagen hatte.

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    • Vorzüglich gereimt, lieber Lo! Herzlichen Dank

      Frau Rommel wurde vorgeschoben
      Sie wird den Gatten trotzdem loben.
      der Briefbeschwerer große Zahl
      bedeckt das Pult vom Herrn Gemahl
      da ging so mancher Brief verloren
      drum hat Herr Rommel sich geschworen
      will man mir wieder Briefe schweren,
      muss harsch ich mich dagegen wehren.
      Am besten hält sie mir vom Leib,
      der Hinweis auif mein böses Weib.

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  3. nicht sehr nett, einerseits, nachvollziehbar andererseits, wenn man schon einmal gesehen hat, was offizielle so für geschenke erhalten (das hirschgeweih vom jagdverein steht da beispielhaft für viele andere unbrauchbare exponate). große staatsmänner bauen dafür museen, die von gruselzeugs nur so strotzen (gesehen u.a. im bukarest der vorwende). aber was macht ein bürgermeister, der kurz davor steht, privatier zu werden?
    dass es sich bei dem geschenk in der geschichte um ein bild handelt, ist natürlich ganz und gar unmöglich! 😉

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    • Verständlich ja, denn wer lange ein Amt bekleidet, braucht viel Platz für das Zeug, das ihm als Geschenk aufgedrängt wird. Ich fand die Zeitungsnotiz kürzlich wieder und dachte, man könne den peinlichen Vorgang noch überspitzen. Natürlich erweckt der Maler in der Anekdote Mitgefühl. Ist aber nur eine fiktive Person.

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