Frohe Weihnachten im Teestübchen

Heuer hat mich in der Vorweihnachtszeit erstmals nicht der Trübsinn erfasst. Für diesen Trübsinn war ein Ereignis meiner Kindheit verantwortlich. Da freute ich mich nämlich auf Weihnachten, und ganz unerwartet ist mein Vater gestorben. Er wurde nur 49 Jahre alt. Viel weiß ich nicht von ihm, denn an Wochentagen kam er erst von der Arbeit im fernen Düsseldorf, wenn ich schon schlief. In seiner knappen Freizeit musste er eine Modelleisenbahn für meinen älteren Bruder und mich gebaut haben, was ich erst später realisierte, denn ich glaubte noch, das Christkind hätte die gebracht.

Wenn mein Bruder abwesend war, durfte ich die kostbare Anlage nicht bedienen, allenfalls einige Waggons mit dem Finger auf den Schienen vor und zurückschieben. Dann aber kam Pater Arnold, ein Mönch aus dem nahen Kloster, der schon mal in der Gemeinde aushalf. Eigentlich besuchte er uns, um meiner Mutter seelsorgerischen Beistand zu leisten, doch nachdem er seinen langen roten Schal vom Hals gewickelt hatte, galt sein Interesse unserer Modellbahn. Und ganz destruktiv war er vorrangig an Zugunglücken interessiert. Er stachelte meinen älteren Bruder immer wieder an: „Friedrich, lass uns nochmal Zusammenstoß spielen!“ Zu meinem Entsetzen wurden zwei Loks auf eine Schienenstrecke gestellt, die dann mit Karacho gegeneinander fuhren und aus dem Gleis kippten. Noch heute mag ich keine Zerstörungsorgien, wie sie Hollywood so gerne darstellt.

Ist schon etwas länger her, als ich entdeckte, dass die Technik des Graphics Interchange Formats (GIF) erlaubt, aus Einzelbildern Trickfilme zu gestalten. Da reizte es mich, für mein damaliges Teppichhaus-Blog eine digitale Modellbahn auf die Schienen zu bringen. Vorlage war diese uralte Zeichnung von mir.

Ich weiß, dass bei der Fülle der Daten mein damaliger Rechner fast in die Knie ging. Heute läuft die Animation bei mir ohne zu ruckeln und ich hoffe, bei Ihnen und euch auch. Im Trickfilm passiert nicht viel, vor allem gibt es keinen fatalen Gegenzug auf Kollisionskurs. Es gab eine Version, bei der zum Schluss frohe Weihnachten gewünscht wird. Die finde ich aber nicht mehr. Drum hier mündlich/schriftlich: Allen treuen Besucherinnen und Besuchern wünsche ich ein schönes, besinnliches Weihnachtsfest sowie Glück und Gesundheit fürs neue Jahr,
Ihr und euer