Warum ich an der Aldi-Kasse mehrmals in die Knie ging

„Entschuldigen Sie meinen Wankelmut!“, sagte die kleine hübsche Frau mit dem Fransenpony unter der Mütze und einem guten, offenen Gesicht, nachdem sie eine Einkaufstasche unter dem Kassenband herausgenommen hatte, sich dann aber umentschied und sie zurücklegte. Als sie wieder stand, lächelte sie so entzückend, dass ich, wäre ich jünger, gesagt hätte: „Bitte heiraten Sie mich!“, ungeachtet des Risikos, dass sie eventuell gesagt hätte: „Aber ich bin schon seit 20 Jahren mit dem Prinzen von Hohenzollern verheiratet.“ „Egal“, hätte ich gesagt, „wenn Sie schon wankelmütig sind, könnten Sie sich auch in Ehedingen umentscheiden!“
„Ich weiß nicht, ich weiß nicht, ob ich an der Kasse von Aldi Nord ein Ehegesuch annehmen soll. Sie sind ja nicht mal auf die Knie gegangen. Wobei. Machen Sie’s mal! Nein, halt!, ich habe mich umentschieden. Bitte entschuldigen Sie meinen Wankelmut. Aber schön wär’s doch, würden Sie zum Antrag niederknien. Ach, kommen Sie lieber wieder hoch, ich könnte sonst schwach werden. Und wie soll ich das dem Prinzen von Hohenzollern erklären?“
„Sie könnten sagen, ein Besserer als du ist für mich an der Aldikasse auf die Knie gegangen“, sagte ich und kniete mich erneut ans Ende des Kassenbands. „Bitte, Sie wunderbar wankelmütiges Wesen, erhören Sie mich!“
„Macht 12 Euro 34“, sagte der Kassierer, der derweil ungerührt meine Ware über den Scanner gezogen hatte.
„Was reden Sie denn da, junger Mann?“, sagte sie. „Verderben Sie dem Herrn nicht seinen Antrag und mir nicht die glücklichste Stunde meines Lebens mit ihrem schnöden Geschacher!“, drängte, sich entschuldigend, an mir und den Nachstehenden vorbei und nahm eine Einkaufstasche aus dem Fach unter dem Band, lächelte erneut so entzückend und sagte: „Ich brauche doch eine, denn mein Glück kann ich sonst nicht fassen.“

Was für ein schöner Tagtraum. Ich beeilte mich mit Bezahlen und Einpacken, aber als ich aufschaute war sie weg. Auch draußen sah ich sie nie wieder. Bin ja auch leider schon älter.

Unerwünschter Wahrtraum

Unheimliche geträumt, unheimlich, weil tags drauf in der Presse zu lesen war von einer Sparkassen-Störung. Mein Traum handelte auch davon. Ich war in einer großen Sparkassenfiliale und wollte Geld aus dem Automaten ziehen. Da standen zwei neue Geräte. Ich führte meine Bankkarte ein, tippte auf der Tastatur, dass ich hundert Euro haben wollte und gab meine PIN ein. Das Gerät gab Arbeitsgeräusche von sich, aber es kam kein Geld. Da sah ich, dass zum Gerät in der Wand noch weitere gehörten, die vor dem Automaten standen. Dort gab es eine verwirrende Anzahl von Digitalanzeigen.

Ich fragte, ob jemand wüsste, was zu tun war, um Geld zu bekommen. Niemand wusste Bescheid, niemand half. Da versuchte ich es beim Nachbargerät – mit dem gleichen Ergebnis. Nach einer Weile stellte ich fest, dass zentral gegenüber dem Automaten in einer Nische ein Druckautomat stand, in dessen Auslage einige gedruckte Fotos lagen. Unter anderem auf Format geschnittene Gebetbuchzettel. Ich begriff, dass dieser Automat die Geldscheine ausdrucken würde. Obwohl ich Blatt für Blatt einzeln in die Hand nahm und umwendete, war mein 100- Euro-Schein nicht dabei. Vermutlich hatte den jemand an sich genommen. Ich wollte bei den Sparkassenoberen reklamieren und öffnete eine überdimensionale Flügeltür, die in die Wandtäfelung eingelassen war. Eine Frau wischte das Parkett und sagte: „Die sind schon alle nach Hause.“ Ich sah auf die Uhr. Es war tatsächlich schon 19:30 Uhr. Es waren Stunden verflogen, derweil ich versucht hatte, Geld zu ziehen.

Draußen hielt ein Mercedes. Eine Frau stieg an der Beifahrerseite aus und legte sich vor das Auto auf die Straße. Aus dem Mercedes wurde gerufen. Da stand sie auf und stieg wieder ins Auto, das darauf fortfuhr.

aus dem Münchener Merkur. Lieber würde ich die Lottozahlen träumen.