Versautes – aus: Jüngling der Schwarzen Kunst (6)

Der Alte hatte den Junior in die Setzerei gestellt, denn er wünschte sich einen Nachfolger, der alles von der Pike auf gelernt hatte. Eigentlich war der Junior Konditor gewesen. Doch sein viel älterer Bruder, auf dem die ganze Hoffnung des Verlags gelegen hatte, war nicht aus russischer Gefangenschaft zurückgekehrt. Der Junior hatte deshalb in die großen Fußstapfen seines Bruders treten und umschulen müssen. Er bereitete sich gerade auf die Meisterprüfung vor. Sein Status war unklar. Die Firmenleitung hatte uneingeschränkt der Alte, und der Posten des Setzereileiters galt als vakant. Was blieb ihm da noch? Er hatte einen Arbeitstisch in der ersten Gasse, direkt bei der Abzugspresse für die Korrekturfahnen. Dort skizzierte er Entwürfe, bereitete die Aufträge vor oder büffelte für den Meisterkurs. Manchmal setzte er auch, und deshalb trug er wie die anderen einen grauen Kittel. Er war ein verbissener Schweiger, ein schreckliches Vorbild für alle anderen, denn während der Arbeit waren Privatgespräche streng untersagt. Vielleicht dekorierte er im Geiste dreistöckige Hochzeitstorten oder formte Maumännchen aus Marzipan. Solange der Junior im Setzereisaal war, lastete ein unheimliches Stillschweigen auf den Setzern, das nur durch arbeitsbedingte Äußerungen unterbrochen wurde. Alle warteten und hofften, dass er die Setzerei verlassen würde. Das geschah fast täglich einmal, wenn er fuhr, um Kunden zu besuchen. Sein Aufbruch kündigte sich jeweils lange vorher schon an, als ein quälend gleichförmig ablaufendes Ritual, dessen Ende die Setzer kaum noch abwarten konnten.
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