Und oben Düsseldorf – aus: Jüngling der Schwarzen Kunst (4)

Die Gesellen, allesamt gebürtige Neußer sahen zur Stadt auf der anderen Rheinseite auf. Alles wäre in Düsseldorf schöner, größer und besser als in Neuß. „Pah, was wird da wohl sein?“, sagte Hanno, dem das auf den Geist ging. Düsseldorf war für ihn ein Raum jenseits seiner Dimensionen, den er nicht zu betreten dachte. Sein Kontakt beschränkte sich auf den „Mittag“, eine Boulevardzeitung, die dort erschien und die Hanno täglich las.

Nachdem an der Berufsschule der Deutschunterricht schon länger als zwei Monate ausgefallen war, rief der Junior eines Tages quer durch die Setzerei: „Hanno, komm mal her!“
Hanno legte den Winkelhaken auf den Rand eines Setzkastens und ging hinüber zum Platz des Juniors. Der Junior fuhr sich mit der Hand durch den Bürstenhaarschnitt, legte die Stirn in Falten und machte sich daran, mehrere Sätze am Stück zu sprechen. Das verhieß nichts Gutes: „Wir haben dich in Düsseldorf zum Deutschkurs angemeldet. Er findet über zehn Wochen jeweils dienstags statt, von 18 bis 20 Uhr im Gebäude der Handelsschule in Düsseldorf-Oberbilk. Du kannst mit der Straßenbahn hinfahren.“
Hanno wagte keinen Einwand. Doch ihn durchfuhr der Schreck. Das würde bedeuten, dass er an diesen Tagen nicht 12 Stunden wie üblich unterwegs war, sondern 15 Stunden, vorausgesetzt, er erwischte den letzten Bus um 20:30 Uhr. Natürlich war es gut, dass er seine Deutschkenntnisse erweitern konnte, aber dass er dazu nach der Arbeit ganz alleine nach Düsseldorf fahren musste, war bedrohlich. Jetzt in den Herbstmonaten verließ er morgens im Dunkeln das Haus und kehrte im Dunkeln nach Hause. Und sich in der fremden Stadt im Dunkeln zu orientieren, würde nicht leicht sein. Gleich am ersten Abend erlebte er eine Panne.
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