Ausgeschwemmt aus der Besenkammer des Geistes

Schlafforscher haben Testpersonen ins MRT gelegt, um zu erhellen, was im Gehirn eines Schläfers geschieht, und fanden, dass im Schlaf Gehirnflüssigkeit, auch Liquor genannt, in pulsierenden Wellen durch Teile des Gehirns schwemmt und dem Gehirn eine Wäsche verpasst. Daran sind drei Sachverhalte erstaunlich, dass erstens die armen Probanden überhaupt einschlafen konnten, bei dem enormen Lärm der kreisenden Magnete im MRT, zweitens die Schlafforscher nicht auf die Idee kamen, die Liquorwäsche wäre genau durch den widernatürlichen Schlaf im MRT erst hervorgerufen worden.

Beim dritten Aspekt wollen wir einfach gutwillig annehmen, dass die nächtliche Hirnwäsche mit Liquor eine systeminhärente Funktion ist, die allnächtlich auftritt, wenn man ganz normal im gemütlichen Bett liegt und nicht in der beängstigenden MRT-Röhre. Da diese Liquorwellen dem Vernehmen nach nur innerhalb weniger Sekunden durchs Gehirn fluten, könnte durchaus geschehen, dass unzugängliche Ecken nicht gesäubert werden, gleich den finsteren Besenkammern, die zwar Reinigungsutensilien aufbewahren, aber selber höchst selten gereinigt werden. Was dort lagert, kann sich Jahrzehnte ablagern, bis mal ein guter Geist einen Eimer Wasser hineingießt und gründlich den Boden schrubbt.

Aus einer solchen Ecke hat meine nächtliche Gehirnwäsche heute morgen den Liedvers herausgeschwemmt: „Oder darf ich es wagen, zu Ihnen Schwiegervater sagen.“ Ich ahnte noch die Melodie, sang es sogar in der Küche und auf dem Weg zum Bäcker, aber kam nicht auf den Zusammenhang. Woher auch? Der war ja längst weggeputzt – mit bestem Liquor. Vor dem Internet wäre ich darüber schier verzweifelt, hätte vielleicht jemanden fragen können, hätte Passanten auf der Straße laut angesungen: „Darf ich es wagen, zu Ihnen Schwiegervater sagen?“, bis mich einer erlöst hätte und gesagt: „Salvatore Adamo 1964; Gestatten Sie Monsieur?“, also wenn man nicht auf der Stelle zwangsverheirat oder vorher in die Geschlossene abtransportiert hätte.

Nebenher: Wozu Forscher ihre Mitmenschen ins MRT packen müssen, das ahnt der Dichter einfach so: Alphabetmärchen.

18 Kommentare zu “Ausgeschwemmt aus der Besenkammer des Geistes

  1. Hach, lieber Jules, jetzt hab ich den Schlager, den ich noch etwas auswendig kann, wieder im Kopf, und bin an die Zeit und an das Mädchen erinnert, das ich damals liebte… 🙂
    Übrigens:
    Bei unserem Blogkollegen Gnaddrig las ich das erste Mal das Wort „Putzschatten“ für Stellen, an die der Schrubber oder Besen nicht herankommt. Es gibt auch Bilder davon:
    https://gnadlib.wordpress.com/2017/03/16/putzschatten/
    Putzige Grüße!

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    • „Putzschatten“, lieber Lo, ist sehr zutreffend. Danke für den Hinweis. Mit den Jahren ergeben sich im Hirn vermutlich viele Stellen mit Putzschatten. An die Bilder erinnere ich mich, und grusele mich, derlei im Kopf zu haben 😉 Deshalb ist auf Dauer Psychohhygiene so wichtig, Nie Privat-TV schauen, nichts im Öffentl.rechtlichen TV, das auf Verblödung angelegt ist, keine „Promis“ zu kennen, ist schon mal ein Anfang, um Putzschatten zu verhindern.
      Beste Grüße!

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  2. Ah, jetzt verstehe ich, wie es zu dem „schwerwiegenden“ Traum kommen konnte, den ich vor einiger Zeit hatte. Kurz: Ich träumte mich auf einer langen Wanderung, trug nicht nur Rucksack sondern auch mein Mini-Trampolin (Aktivitäten die ich regelmäßig im Wachleben wiederhole) immer mit. Ab und zu setzte ich das Trampolin ab, machte meine Hüpfübungen, um anschließend samt Trampolin die Wanderung fortzusetzen.
    Meinem Gehirn macht es vermutlich viel zu viel Arbeit, andauernd dieses sperrige Trampolin auszuwaschen, weshalb ich nun dazu verdonnert bin, es ewig durch die Nacht zu tragen.

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  3. als hirni, das heisst hirn-operierter, kann ich nur sagen, diese liquor-wäsche bzw. überhaupt der fluss der hirnflüssigkeit ist enorm wichtig. nicht nur weil die „hirnwäsche“ musikalisches grauen hervorspült, nein, auch der denkkörper–oder wenigstens das obergeschoss will versorgt sein. ohrwürmer zu setzen ist bei uns sport, wir quälen uns alle gegenseitig, leider tritt keine immunisierung ein: 1 2 polizei… (die dancefloorjugendweisbescheid) lol

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    • Ich auch, obwohl mir die Musikrichtung eher fremd. Wie wärs mit „Nein, Mann, ich will nocht nicht gehen. Ich will noch ein bisschen tanzen“?
      Hatte zuvor nie was von dieser Flüssigkeit gehört. Klingt ein bisschen wie Likör, dass man auf die Idee kommen könnte, beim Fluss im Hirn helfen die sogenannten geistigen Getränke? Glaub ich selber nicht, hehe.

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  4. Fast finde ich es ein wenig schade jetzt keinen Ohrwurm zu haben. Freilich könnte ich das Video klicken, aber ich habe gerade keine Kopfhörer zur Hand. Obwohl….ob es die Stimmung im Bus nicht erhellen würde? Ich werde sehen ob ich mich traue. Mögliche Ohrwürmer bei Mitreisenden, werden sicher heute Nacht weggewaschen. 😉

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  5. Ohne im MRT zu liegen und auch ohne jeden Likör äh Liquor habe ich beim Wort „Besenkammer“ unwillkürlich an einen bestimmten Herrn gedacht, den ich früher eher mit Sport in Verbindung brachte. Gehirnwäsche, wohin du schaust …

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