Kaffeeplausch mit Frau Nettesheim – Heikle Selbstvermarktung

Frau Nettesheim
Werden Sie Ihr neues Buch heute beim Autorentreffen zeigen, Trithemius

Trithemius

Eher nicht. Ich will mich in diesem Kreis nicht leichtfertig hervortun, wenigstens nicht, bevor ich da richtig integriert bin.

Frau Nettesheim

Warum Ihre Vorbehalte?

Trithemius

Bei Leuten, die selbst von einer Karriere als Schriftellerin/Schriftsteller träumen, kommt es nicht gut. Es weckt eine Sorte Futterneid.

Frau Nettesheim

Aber man nimmt doch einander nichts weg.

Trithemius

Trotzdem. Sie sehen es auch in der Blog-Community. Wenn da jemand mitteilt, ein Buch veröffentlicht zu haben, sind die Reaktionen mehr als verhalten. Und selbst ich, der mir solche Gefühle eigentlich fremd sind, bin spontan neidisch. Dann weiß ich gar nicht, was mit mir los ist und zwinge mich, wenigstens zu gratulieren.

Frau Nettesheim

Sich richtig über fremden Erfolg (hüstel) Leistung zu freuen, schaffen aber auch einige, Ihre Blogfreunde Lo, Christian Dümmler (CD), Dieter Kayser und Marana beispielsweise haben schon ganz uneigennützig für Ihre Bücher geworben.

Trithemius
Ja, bewunderns- und dankenswert. Denn die wechselseitige Unterstützung ist für Indie-Autoren die einzige Chance. Der Kulturbetrieb ignoriert uns grundsätzlich.

Frau Nettesheim

Fassen Sie mal an Ihre Nase!

Trithemius

Ja, weil ich gemerkt habe, wie schwer es ist, sich selbst anzupreisen wie saures Bier, habe ich mir vorgenommen, demnächst auch andere zu promoten. Wenn wir uns nicht gegenseitig unterstützen, tuts keiner. Ich ärgere mich noch immer, einem HAZ-Redakteur meine Bücher zugeschickt zu haben.

Frau Nettesheim

Er hat nicht reagiert?

Trithemius

Nein, er ist zu schön. Dabei, hallo?, Frau Nettesheim, er arbeitet bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung!

Frau Nettesheim
Mir scheint, bei den zurückhaltenden Reaktionen der Blogcommunity geht es um etwas anderes als um Futterneid. Sie haben selbst mal gesagt, dass sich die gesellschaftlichen Schichten gegeneinander abschotten, nach unten wie nach oben.

Trithemius

Zurückhaltend ist das richtige Wort. Man klammert, um die guten Leute nicht zu verlieren. Wenn aus der blog-community jemand Karriere machen würde in der Literaturszene, ist sie oder er für die blog-community doch verloren.

Frau Nettesheim

Da ist was dran.

Trithemius

Sie geben mir Recht, Frau Nettesheim? Sie sind hoffentlich nicht krank.

Frau Nettesheim

Einen Moment wollte ich bei „gute Leute“ in Ihrem Zusammenhang widersprechen, aber mir fiel leider kein flotter Spruch ein.

14 Kommentare zu “Kaffeeplausch mit Frau Nettesheim – Heikle Selbstvermarktung

  1. Du hast einige Gedanken auf den Punkt gebracht, die ich ansatzweise auch schon hatte. Dabei ist es eigentlich völlig unlogisch, wenn Leute sagen „Der macht doch nur Eigenwerbung für sich“. Für wen soll man denn sonst Eigenwerbung machen?

    Überhaupt ist Werbung irgendwie immer Eigenwerbung, die man vor allem jenen vorwirft, die damit eh kein Geld verdienen. Und was ist schlimm an solcher Werbung? Genauso blöd wäre das Argument „Der macht das doch nur für Geld“.

    Schornsteinfeger und Minenarbeiter machen das doch auch nur für Geld. Oder meint jemand, dass irgendeine Fleischfachverkäuferin zur Arbeit erschiene, wenn sie kein Geld dafür bekäme? Klar, ich weiss ja nicht, ob Geld eine Rolle für Dich spielt. Wahrscheinlich geht es Dir eher um schriftstellerischen Ruhm, was ja auch okay ist.

    Ich habe früher davon geträumt, mal einen (und danach natürlich weitere) Bestseller zu schreiben. Was ich ausser Blogeinträgen vorweisen kann, sind drei Bücher, die ich unter drei verschiedenen Namen veröffentlicht habe und die man tatsächlich bei Amazon und anderswo bestellen kann. Verdient habe ich damit keinen Pfennig, im Gegenteil.

    Mit den Übersetzungen, die ich über 20 Jahre lang geliefert habe, konnte ich wenigstens eine Familie ernähren, die tragen aber nicht meinen Namen. Aber alles ist gut. Früher bekam ich gutes Geld für das Übersetzen von Texten anderer, die in grossen Auflagen gedruckt wurden, heute kann ich schreiben, was und wann ich will. Und das tue ich auch.

    Sei mir herzlich gegrüsst!

    Dieter

    Gefällt 5 Personen

    • Du hast natürlich Recht. In der gewerblichen Welt arbeiten die Leute für Geld. Als Bloggerinnen und Blogger schreiben wir nicht für Geld. Wir produzieren aber auch nichts. Was anderes ist, wenn aus digitalen Texten ein handfestes Buch wird. Da gibt es Herstellungs- und Vertriebskosten, und schon ist Geld im Spiel. Die geringste Summe bekommt der Autor. Wie du habe ich bislang nichts verdient mit meinen Büchern. Dafür macht man sie nicht. Da ich im Schreiben mein Glück finde, erhöhe ich mein Glück, indem ich Texte, die mir selbst gut gefallen, in ein Buch packe und etwas Handfestes daraus mache. Wer soviel schreibt wie ich, vergisst manches rasch. Allzuschnell versinken gute Texte im digitalen Orkus oder verschwinden, weil die Plattform verschwindet, wie bei blog.de und twoday passiert. Gegen dieses Vergessen, habe ich die Bücher auch gemacht, zumal meine Lebenszeit erkennbar endlich ist.
      Setze doch die Links zu deinen Büchern mal in einen Anwortkommentar, lieber Dieter.
      Beste Grüße
      Jules

      Gefällt 3 Personen

  2. Neid, Community-Abschottung – da tun sich ja Abgründe auf.
    Mir fällt noch ein nahliegender Grund ein: Die Leute wollen einfach kein Geld dafür ausgeben und schämen sich vielleicht ein bißchen dafür – seit Jahren mögen sie Dich und Deine Texte, und nun ist ihnen sogar 9,99 zu viel. Aus Geiz – oder sie sind nur sparsam, überlegen es sich immer sehr gut, wofür sie ihr Geld ausgeben, und – „bei aller Liebe“ – Dein Buch ist einfach nicht vorgesehen oder nötig. Und dann gibt es noch die, die immer so knapp bei Kasse sind, daß sie es sich einfach nicht leisten können, jeder Monat ist eigentlich zu lang – ich war schon so manches Mal überrascht, wer alles zu dieser Gruppe gehört.

    Wie auch immer, ich finde, Du solltest alle Bedenken beiseite schieben und ordentlich auf die Trommel schlagen: Man kan es nicht allen recht machen, und so erfahren wenigstens die Kaufwilligen davon, die auf Deine Reklamationen angewiesen sind, weil sie ja sonst gar nichts von dem neuen Werk wüßten.;-)

    Gefällt 2 Personen

  3. ach, jules, ich denke, du nimmst das viel zu ernst. dass dich die eigenwerbung überwindung kostet, ändert doch nichts daran, dass der mensch der neuzeit werbung gewöhnt und ihrer müde ist. er wird nur wach, wenn man ihm dinge anbietet, die ihn ohnehin interessieren. angesichts deiner erklecklichen fangemeinde würde ich mir keine sorgen machen.
    für den rest: nur, weil ich mal selbst ein paar badetabletten zusammen gerührt habe, bin ich doch nicht neidisch auf chanel. 😉

    Gefällt 1 Person

    • Beste Schwester, das ist doch verständlich, wenn man nach langen Mühen etwas auf die Welt gebracht hat. Das geht nur mit Herzblut, Ernst und Sorgfalt, denn man kann 1000 Dinge falsch machen. Als Indie-Autor steht man ganz allein, ist für alle Fehler selbst verantwortlich. Wenns dann endlich in eine passable Form gebracht und auf den Weg gebracht ist, wünscht man ihm alles Gute, dass es in der Welt angenommen und nicht schöde missachtet wird.
      Dein Vergleich mit den Badetabletten, ist göttlich, wie man im Rheinland über ein gelungenes Bonmot sagt.

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  4. Es ist schön, eigene Texte zu veröffentlichen, noch schöner, wenn ein Buch daraus wird und dann auch noch Leser reagieren. Meine Erfahrung ist allerdings, dass die Reaktionen hier im Netz zuverlässiger kommen. Wenn es aber ein Buch sein soll, dann muss auch Reklame gemacht werden. Bescheidenheit ist da völlig fehl am Platz.

    Gefällt 1 Person

    • Mir liegt das Klappern leider nicht wirklich. Also gut Klappern kann ich schlecht. Du hast Recht, die Netzgemeinde ist zuverlässig, aber es gibt im Digitalen die vertrackte Umsonst-Mentalität. Leider kann man ein gedrucktes Buch nicht umsonst anbieten. Und wenn man Verkaufszahlen als Indikator für Wertschätzung nimmt …

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  5. Bei Blog.de gab es jemanden, der hatte eine Liste von Mit-Bloggern, die etwas veröffentlicht hatten. Bei dem fühlte es sich so an, als sei er stolz auf seine „Kollegen“, weil die was geschafft hatten. Die Liste war auch tatsächlich spannend, weil man so Leute und deren Geschichten fand, die man so gar nicht gefunden hätte. Und selber irgendwann auf dieser Liste zu landen, hat mich verdammt glücklich gemacht.
    Mein Bruder und ich hassen diese Selbstvermarktung auch. Deshalb verkaufen sich unsere Geschichten auch eigentlich nicht. Naja, und weil mein letztes Buch einfach das falsche Genre für E-Books ist. Und dabei ist das wirklich… also… von allem, was ich geschrieben habe, bin ich darauf am stolzesten…

    Gefällt 1 Person

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