Die Gleichzeitigkeit von vorher und nachher

Ist die Zeit erst in die Welt gekommen, als sie vom Menschen gemessen wurde? Anders gefragt: existiert Zeit nur, wenn man sie misst, also wirkt der Messvorgang zurück auf die Zeit und erzeugt oder modifiziert sie? Das sollten einmal Quantenphysiker beantworten. Die Frage nach der Modifikation gilt es zu bedenken, wenn am Sonntag, dem 27. Oktober, wieder das kosmische Räderwerk für eine ganze Stunde angehalten und unsere Zeit zurückgestellt wird.

Folgendes: In meinem Bücherregal am anderen Ende des Zimmers lehnt eine Uhr. Eine weitere hängt direkt hinter mir an der Wand. Beide Uhren ticken etwa gleich laut. Die Wanduhr tickt eine halbe Sekunde vor der Regaluhr, so dass diese wie ein Echo hinterherlappt.

Da mir meistens alles zu langsam vorangeht, entschloss ich mich, in der Wanduhrzeit zu leben, also quasi eine halbe Sekunde in der Zukunft. Doch da tat sich ein Problem auf, das mich hart am Wahnsinn vorbeischrammen ließ. Wenn ich mich nämlich auf das Ticken der Regaluhr konzentrierte, war sie der Wanduhr voraus, und die Wanduhr lappte eine halbe Sekunde hinterher.

Konzentrierte ich mich auf die Wanduhr, kippte die Situation wieder. Es entstand das seltsame Phänomen, dass beide Uhren und mithin ich gleichzeitig im Vorher und im Nachher waren, ganz wie ich meine Aufmerksamkeit richtete. Das ließ ich eine Weile geschehen, bis es mir zuviel wurde und ich in ein Zimmer ohne Uhr flüchtete. Dort nahm mich die Zeit wieder in ihre warmen Arme der Unbegreiflichkeit.