Es geht immer noch schlimmer

Ein kaiserlicher Unterbeamter hat sich zum Besuch angesagt. Soeben kam der Anruf. Da poltert auch schon seine Garde die Treppe herauf, steht gleich vor der Tür, – und ich bin nicht rasiert, schlurfe noch im Hausrock umher, denn gerade erst dämmert der Morgen heran. Dem Abgesandten in diesem Zustand unter die Augen zu treten, wäre gewiss eine tödliche Beleidigung. Wie lange kann man einen hohen Herrn warten lassen, bevor er ungeduldig die Tür aufbrechen lässt? Es ist wohl so, dass ein kaiserlicher Unterbeamter stets durch geöffnete Türen schreitet, weil immerzu Lakaien zur Stelle sind, deren hauptsächlicher Lebenszweck darin besteht, ihrem Herrn die Türen aufzureißen. Vermutlich hat der hohe Herr in seinem ganzen Leben noch nicht vor einer geschlossenen Tür gestanden, nicht jedenfalls auf dieser Ebene der Stadt, und wer bin ich, dass ich ihm eine derart unerfreuliche Erfahrung bereiten dürfte? Was mach ich nur, was manche ich nur?

Ob es am besten wäre, dass ich mich auf den Boden lege, längs der Fußleiste in die Ecke drücke, mit dem Gesicht zur Wand? Vielleicht wird man mich im Dämmer übersehen oder für ein Bündel schmutzige Wäsche halten. Des Unterbeamten Lakaien werden die Tür eintreten, ausschwärmen, meine wenigen Räume durchmustern und sagen: „Er ist nicht hier, Exzellenz!“ Doch er wird sich nicht zufrieden geben und befehlen, mich unverzüglich herbeizuschaffen. Dann werden sie genauer suchen, jede Ecke auskratzen und mich entdecken. Da! Es klopft! Man hat sich gar nicht erst mit der Tür aufgehalten, sondern pocht mir sogleich an die Stirn.

„Klopfen hören – man wird Neuheiten erfahren“, behauptet mein Traumlexikon. Selbstverständlich. Zum Morgenkaffee habe ich die Süddeutsche Zeitung gelesen und all die wundersamen Neuheiten herausgeklaubt, die eine ferne Redaktion für mich zusammengetragen hat. Die Redakteure wissen nicht wirklich viel von diesen Dingen, denn auch sie haben die Informationen aus zweiter Hand, aus dem Angebot der Presseagenturen direkt ins Blatt gehoben oder abgeschrieben bei anderen Zeitungen. Manches ist ihnen aus den höheren Regionen der Stadt gesteckt worden von Leuten, die ein Interesse daran haben, die Köpfe des Volks zuzumüllen.

Die Schauspielerin Veronica Ferres schläft gerne mit ihrem Lebensgefährten Carsten Maschmeyer vor dem Fernseher ein. Sie hat diese erstaunliche Vorliebe der Zeitschrift Frau im Spiegel erzählt und die investigative Redaktion der Süddeutschen Zeitung (SZ) hat Wind davon bekommen und hat es abgeschrieben. Ferres: „Das ist uns letztens bei meinem eigenen Film passiert. Das fand ich super.“

Verständlich, absolut nachvollziehbar, ja, nahezu selbstverständlich. Es würde mir genauso gehen, weshalb ich mir niemals einen „eigenen Film“ von Frau Ferres anschauen wollte. Denn aufzuwachen, Veronica Ferres zu sein und ins offene Maul eines schnarchenden Carsten Maschmeyer zu schauen, da lasse ich mir doch lieber von den Vasallen eines kaiserlichen Unterbeamten an die Stirn klopfen.

Not lindern mit Nägeln – etwas über Etymologie

Zwischen Aachen und Stolberg liegt das Dorf Mausbach. Am südwestlichen Ortsausgang entspringt der gleichnamige Bach und mündet nach etwa einem Kilometer in das Flüsschen Vicht. Dem Namen nach müssten sich an seinen Ufern zahlreiche Mäuse getummelt haben, aber diese Vorstellung entspricht nicht den Tatsachen. Mausbach hat wohl ursprünglich Mautbach geheißen. Irgendein adeliger Wegelagerer hat da einst Zoll erhoben. Wenn aus Maut über die Jahrhunderte Maus wird und Vorstellungen von Kleinnagern aufkommen, handelt es sich um Volksetymologie.

Volksetymologie stellt aufgrund von Wortähnlichkeiten falsche Zusammenhänge her. Sie ist ein wichtiger Antrieb des Sprachwandels. Davon unberührt existiert in der Sprachwissenschaft der Wunsch, eine Wortherkunft sicher zu klären, besonders wenn Wörterbücher keine, konkurrierende oder fragwürdige Etymologien angeben. Sicherheit könnte hier nur ein früher literarischer Fund bieten, aber der ist wie jeder Fund eben Glücksache.

Solches Glück hatte ich im Jahr 1990. Da fand ich in „Die Edda. Götterdichtung, Spruchweisheit und Heldengesänge der Germanen“, dt. von Felix Genzmer folgenden Eintrag, hier als Ausschnitt aus meinem Tagebuch zu sehen. Es geht um die 10. Rune in der Runenreihe, dem Futhark, genannt Naudiz = Not:

Not-Rune auf dem Nagel des zufällig gewählten Mittelfingers – Zeichnung: JvdL

Der Duden, Herkunfts-Wörterbuch von 1963 verzeichnet hingegen: „Notnagel; der Nagel, den man in einer Zwangslage einschlägt; Helfer in einer Zwangslage.“ Das ist nur teilweise die heutige Wortbedeutung. Jedenfalls bezweifelte ich die Herleitung, weil ich noch nie von jemandem gehört habe, der in der Not einen Nagel einschlägt. Ich kanns mir nur bei einem Bergsteiger vorstellen, aber Bergsteiger benutzen Haken. Der Duden gibt keinen Beleg an, und so wirkt die Erklärung herbei gesucht. Ich teilte damals der Duden-Redaktion meinen Fund mit. Man verwies auf das Deutsche Wörterbuch, Stichwort „NOTHNAGEL“, wo man vermutlich abgeschrieben hatte, bedankte sich artig und versprach, man werde meinen Einwand bei einer Neuauflage „auswertend heranziehen“, was aber, soviel ich weiß, nicht geschah.

Runenreihe, Futhark, benant nach den ersten Buchstaben der Reihe, Zeichnung: JvdL

Bei Wikipedia gibt es auch einen Eintrag zu Notnagel. Demnach ist der Notnagel eine Sache und ein Begriff aus der Feuerwehrsprache, so plausibel wie Mäuse am Mausbach. Diesen Hinweis gibt das Duden-Herkunftswörterbuch aber nicht, so dass ich meine Herleitung nach wie vor plausibler finde, zumal die von mir gefundene Textstelle gewiss der älteste Beleg eines „Notnagels“ ist.

Costers Verschwinden

Was nun Professor Costers Lehrverpflichtung anbelangt, sagte Maus, die Seminare, die im Vorlesungsverzeichnis auftauchten, so habe man Coster nie in den dort angegebenen Räumen der Hochschule angetroffen. Wenn die Seminare überhaupt stattfanden und nicht völlig ausfielen, so hätte Coster sie in seine Privatwohnung verlegt, im Obergeschoss des Kerstenschen Pavillons gelegen, ich wisse schon, da auf der Mittelterrasse des Aachener Lousbergs. Wie oft sei er den Hügel hochgeschnauft, was für ihn, Maus, schon die größte Leistung gewesen wäre. Denn damals sei er doch schwer adipös gewesen. „Stemmen Sie mal 120 Kilogramm den Lousberg hoch und auch noch die elend lange Treppe zum Kerstenschen Pavillon. Dann vergeht Ihnen das Interesse an Pataphysik. Mit letzter Kraft presste ich die Schelle und schnaufte meinen Namen in die Haussprechanlage, und wie zum Hohn tönte Coster gutgelaunt zurück: „Kommen Sie herauf, Sie fette Maus!“ Maus verdreht die Augen: „Wortspiele mit Namen gehen ja gar nicht.“
„Genau genommen wars kein Wortspiel, sondern nur eine Anspielung darauf, dass Ihr Nachname auch eine Klassenbezeichnung für eine Sorte Kleinnager ist“, sagte ich.
„Nennen Sie es, wie Sie wollen.“, fuhr Maus fort. „Ich erinnere mich noch gut an meinen letzten Besuch, und es war vermutlich das letzte Seminar überhaupt, das Coster veranstaltete, bevor er verschwand. Außer mir waren noch anwesend die vollbusige Schönheit Erika Dembic, der windige Vogel Wido Schlehenbusch, der etwas begriffsstutzige Roland Mayer und ein Kerl namens Henry Jussen, der mit der Dembic gekommen war. Eventuell hatte er sich an ihren Rockzipfel gehängt, ohne zu wissen, was ihn erwartete.“
„Halt vor der vollbusigen Schönheit!“, unterbrach ich ihn. „Was heißt ‚verschwand?‘
Meines Wissens hat Coster sich erschossen.“
„Hörensagen.“
„Ich gebe Ihnen gleich Hörensagen. Immerhin war ich auf seiner Trauerfeier und habe Wochen später auf Hollands höchstem Berg seine Asche mit eigenen Händen verstreut.“
„Es kann jedermanns Asche gewesen sein. Wenn Sie keinen besseren Beweis haben als Hörensagen von seinem Tod, dann vertrauen Sie doch lieber meinem Hörensagen von seinem Verschwinden. Soll ich weiter berichten?“
„Machen Sie schon.“
„Coster hatte eine Flasche Printenlikör auf dem Tisch, ein widerliches Gesöff. Er prostete mir zu, als ich schweißgebadet eintrat. Im Lauf des Abends diskutierten wir die Wahrscheinlichkeit einer dem Menschen nachfolgenden intelligenten Art und wie sich unser Kulturgut für sie archivieren ließe.“
„Wir wissen ja nicht einmal, ob eine nichtmenschliche intelligente Art sich dafür interessieren würde. Vor allem dürfte sie nicht zu klein sein. Wenn es mikrobiotische Wesen wären, was mir am wahrscheinlichsten erscheint, dann könnten sie unsere Bücher höchstens verzehren, aber sonst nichts damit anfangen. Intelligente Mikroben könnten nur digitalisiertes Archivgut nutzen.“
„Vorausgesetzt, sie entwickeln Informatik: So ähnlich hat Coster auch argumentiert. Und jetzt kommts: Fünf Tage nach seinem angeblichen Freitod habe ich Coster bei Matratzen Concord gesehen.“
„Das ist absurd, Maus!“
„Wirklich! Es war in der Filiale oben am Krugenofen, und ich dachte noch, sieh an, der berühmte Professor Dr. Dr. Ing. Jeremias Coster hält sich auf bei Matratzen Concord.“
„Als Kunde? Ich habe noch nie einen Kunden bei Matratzen Concord gesehen.“
„Ich auch nicht. Nein, Coster saß an einem Tisch und telefonierte mit einem Schnurtelefon.“
„Warum hätte Coster das tun sollen?“
„Forschung.“
„Hören Sie Maus, ich weiß nicht, was sie geraucht haben, aber das ist der komplette Unsinn. Coster ist mir seit seinem amtlich verbrieften Tod schon mehrfach im Halbschlaf erschienen.“
„In Ihrem Halbschlaf oder befand sich Coster im Halbschlaf?“
„In meinem natürlich.“
„Glauben Sie, dass Ihre Wachträume ein verlässliches Beweismedium sind?“
„Mindestens so verlässlich wie Ihre absurden Berichte. Und wohin sollte Coster verschwunden sein, nachdem Sie ihn telefonierend bei Matratzen Concord gesehen haben?“
“Was weiß denn ich. Vielleicht wurde er von einer Matratze verschluckt oder er tauchte ein in die Parallelwelt seiner Erinnerungen.“

Hölzerne Freundschaft und Ort der Freunde

Jedes Mal, wenn ich meine Tochter in Aachen besuche, höre ich erstaunliche Dinge. Im letzten Jahr berichtete mein Schwiegersohn (er ist Kameramann und Filmemacher), er habe einen Filmbeitrag über Neutral-Moresnet gemacht, ein wegen seiner Zinkvorkommen begehrtes Tortenstück zwischen Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Er hatte mit einem uralten Zeitzeugen gesprochen, dessen Mutter als Dienstmädchen nach Neutral-Moresnet gekommen war und ihn dort geboren hatte. Neutral-Moresnet war nämlich der Zufluchtsort für Dienstmädchen, die von ihrem Dienstherrn geschwängert worden waren. Dort konnten sie gebären, ohne der Schande anheim zu fallen. Die Kinder wurden in Neutral-Moresnet zur Adoption freigegeben. Das war unter den gegebenen Umständen sicher besser für das ungewollt schwanger gewordene Dienstmädchen als vom Dienstherrn erschlagen zu werden, wie es noch Ende des 19. Jahrhunderts im Aachener Wald geschehen war.

Sprachwissenschaftlich von Interesse ist Neutral-Moresnet, weil im Jahr 1909 der Chefarzt der dortigen Erzgrube und stellvertretende Bürgermeister, Wilhelm Molly, versuchte, in Neutral-Moresnet den ersten Esperanto-Staat der Welt auszurufen. Er sollte Amikejo (Esperanto „Ort der Freunde“) heißen.

In diesem Jahr erklärten mir Tochter und Schwiegersohn übereinstimmend, man könne jedes Jahr Hochzeitstag feiern. Ich kannte nur Silberne, Goldene und Eiserne Hochzeit, erinnere mich noch an die Goldene Hochzeit (50 Jahre) meiner Großeltern, als das Tambourcorps Amititia (lat. Freundschaft) vor dem Haus meiner Großeltern aufmarschierte und ein Ständchen spielte. Schwach habe ich vor Augen, dass meine Mutter zwischen den Musikern rundging mit einem braunen runden Tablett, worauf eine Kompanie artiger Schnapsgläschen glitzerte, und jedem ein Körnchen eingoss. Das würde man nicht jedes Jahr tun wollen, an den drei oben genannten Jubiläumstagen schon.

Zu der inflationären Ausweitung der Hochzeitstage ist es vermutlich gekommen, weil Ehen in heutiger Zeit zu vielen Anfechtungen ausgesetzt sind und eine kürzere Halbwertszeit haben, so dass dann schon eine Hölzerne Hochzeit (5 Jahre) feierwürdig erscheint. Die in der Liste angedrohte Knoblauchhochzeit (33 1/3 Jahre) wäre doch eigentlich ein Trennungsgrund, aber schon bei der Ledernen (3 Jahre) würden Veganer die Biege machen. Abbildung von hier:

Der Name „Amititia“ des Nettesheim-Butzheimer Tambourcorps und die Ähnlichkeit mit dem gelobten Land „Amikejo“ zeigt übrigens gut, dass sich der polnische Zahnarzt Ludwik Lejzer Zamenhof bei der Entwicklung seiner Plansprache Esperanto unter anderem am Lateinischen orientiert hat. Kürzlich sandte mir mein Jugendfreund Fritz die Amititia-Festschrift zum 100-jährigen Bestehen des Tambourcorps. Nicht präsent ist die Zeit der 1960-er Jahre. An einem Freitagabend, ich war 12 Jahre alt, lag gemütlich auf dem Sofa und las, scheuchte meine Mutter mich hoch und zwang mich hinüber zur Schreinerei zu gehen, wo man neue Mitglieder im Trommeln einwies. Fritz und ein weiterer Freund waren auch da. Wir trommelten in der winterlich kalten Schreinerwerkstatt auf der Hobelbank. Als wir einigermaßen trommeln konnten, übten wir mit den Erwachsenen freitags an einem Trafohaus am Ortsausgang. Noch heute erstaunt mich die Lehrmethode ohne alle Notenkenntnis und Noten. Alles wurde mündlich und durch Anschauung vermittelt.

Später bekamen wir Uniformjacken, Koppeln und Trommeln. Meine war noch mit Ziegenfell bespannt. Ich weiß nicht, ob ich je eine der begehrte neuen Trommeln mit Plastikbespannung bekam, deren Klang härter und schärfer war als Ziegenfell, denn auch später als Jugendliche hatten wir nur einen geringen Rang im Tambourcorps. Noch später hatte sich meine vom Dorffriseur Toni Pesch so genannte „Caesarfrisur“ zur „Beatlesfrisur“ ausgewachsen. Als ich mal mit meiner Beatlesfrisur bei Pesche Tünn war, erfuhr ich von ihm, ein älteres Mitglied des Tambourcorps habe gesagt, ich würde bald rausfliegen, wenn ich mir die Haare nicht abschneiden ließe. Da wars für mich aus mit der Freundschaft. Ich habe Uniformjacke, Mütze, Koppel und Trommel gepackt und zum Vereinsvorsitzenden getragen. Seine Frau öffnete, und als ich sagte: „Ich trete aus!“, antwortete sie: „Aber warum denn? Das Tambourcorps ist doch so schön!“ So schaffte ich wegen zu langer Haare und weil ich mich nicht unterordnen wollte nicht mal die Hölzerne (5 Jahre). Immerhin hatte ich trommeln gelernt.

Im Netz entdeckt, einen Film des Monschauer Autors und Kabarettisten Hubert vom Venn (das ist nicht mein Schwiegersohn) über Neutral-Moresnet. Bei Sylvia Fabeck, der Frau im Interview, lässt sich schön hören, wie die Leute im deutschsprachigen Ostbelgien sprechen.

Herumfliegende Worte

Vermutlich werde ich das kluge Kind in einem Jahr erst wiedersehen. Hab ihm noch rasch einen Floh ins Ohr gesetzt, sich ein Notizbüchlein anzulegen und darin zufällig gehörte Gesprächsfetzen zu sammeln. Diese Sammlung wäre hübsch zu lesen. Meine Freundin Lisette war beim Stadtbummel nicht ansprechbar, sobald sie irgendwo in der Nähe ein paar Gesprächsfetzen erhaschen konnte. Meist bleib sie dann stehen und tat so, als müsse sie an Ort und Stelle etwas Wichtiges tun, um in Wahrheit noch mehr vom Gespräch zu erlauschen.

Einmal habe ich kurz hintereinander drei Gesprächsfetzen aufgefangen. Danach war ich in Sorge, einen Bekannten zu treffen oder etwas Ungewöhnliches zu sehen, – dann würden die Gesprächfetzen unweigerlich im Orkus des Vergessens versacken. Diese Sorge zwang mich, die Zitate im Stehen zu notieren und ich vermisste dabei eine Unterlage. Es wäre prima, wenn in den Innenstädten hier und dort Stehpulte angebracht wären. Ein solches Stadtmöbel für Notizen fehlt.

Meinen liebsten Gesprächsfetzen hörte ich einmal auf der Kölner Domplatte. Ein junger Mann sagte zu einem alten: „Reg dich nicht auf, Onkel Franz, ich mach das schon.“ Aus irgendeinem Grund ist dieser Satz für mich wie Poesie. Einen anderen Gesprächsfetzen sammelte ich am Aachener Markt auf. Vor dem Lokal Postwagen, gleich neben dem Standesamt, hatte sich eine staatsgemachte Hochzeitsgesellschaft versammelt. Ein Mitvierziger sprach auf zwei Frauen und einen Mann ein, zeigte einer imaginären Person mit heftiger Geste einen Vogel, beugte sich vor und sagte empört: „… und feiert da Silvester!“ Warf sich in die Brust und fuhr fort: „ Ja gut, Okay, dat issss ..!“ Die Worte, der Mann, man hätte die Rolle nicht besser besetzen können. Jedenfalls dachte ich mir, egal, um wen es geht, man sollte als Außenstehender nie so heftig urteilen. Man ist dann grundsätzlich im Irrtum.

Im Regionalexpress nach Aachen sagte eine lebhafte Oberstufenschülerin über eine als bedrohlich empfundene Lehrerin: „Die guckt mich an, und alle Gedanken, die in meinem Kopf waren, sind einfach weg!“ Das wirft die Frage auf, ob man überhaupt Gedanken auf Vorrat im Kopf hat gleich Kartoffeln in einem Korb – und ob man die Lehrerin besser zwangspensionieren sollte.

Professor Coster hat sich mal keine Hose kaufen können, weil er ungewollt Zeuge eines Gesprächs zweier Hosenverkäufer wurde, von denen der eine dem anderen gesagt hatte: „Ich sage dir mal, was sie mir per SMS geschrieben hat: Sie findet schön, dass ich träume, sie mag wie ich sie ansehe, …“ – hier in Gänze zu lesen:

Im Cafe sprach eine alte Dame mit einer Kellnerin, die ihr mit den Krücken half. „Ne, ne, dat jehört sich nicht!“, sagte die Alte immer wieder. Was genau sich nicht gehörte, konnte ich nicht herausfinden. „Das gehört sich nicht“, wird sowieso mit den derzeit Alten aussterben. Die nachfolgenden Generationen haben nämlich sehr divergierende Ansichten darüber, was sich wie gehört. „Das gehört sich nicht“ gehört in eine Welt des Anstands. Diese Welt ist dabei, im Orkus des Vergessens zu verschwinden. Der Soziologe Herr Putzig würde sagen, dass andere Formen des Anstands gültig werden. Was sich gehört, wäre eine Frage der kulturellen Vereinbarung. Da hätte er auch wieder Recht.

Kinobesuch mit Tina – eine Groteske


Im Ruhebereich des ICE beschweren sich Fahrgäste über ein nerviges Ticken. Die Zugbegleiterin macht sich auf die Suche – und findet mich, baut sich vor mir auf und sagt: „Mein Herr, Sie ticken! Ist das eine Bombe?“ „Nein“, sage ich, „die Sache verhält sich so: Allabendlich packe ich meine Wanduhr in die Sockenschublade, um bei Nacht das sinnlose Ticken nicht hören zu müssen. Offenbar ist das blöde Ticken auf meine Socken übergegangen. Die Socken haben ein unerfreuliches Tickgedächtnis. Hören Sie selbst!“ Ich halte ihr den Fuß hin, und sie horcht daran.
„Tatsächlich, Ihre Socken ticken. Wie spät ist es? – äh – Wie kommt das wohl?“
„Ich vermute, ein hippes Berliner Startup-Unternehmen hat diese Textilfasern mit Gedächtnisfunktion erfunden. Und Maschmeyer, der Halunke, hat das Bubenstück finanziert. Man weiß noch nicht, wofür es gut ist, welche negativen Folgen diese Textilien haben, aber man drückt sie schon in den Markt. Der wird’s schon richten. Sie lässt sich neben mir auf den freien Platz sinken. „Oach! Das macht mich fertig!“
Mir ist ihre Anwesenheit angenehm. Sie ist hübsch, und wir können uns offenbar riechen.
„Hören Sie!“, sage ich, „wenn Sie eine Pause brauchen, würde ich Ihnen gerne meinen Traum erzählen, aus dem Sie mich eben gerissen haben.“
„Na gut, wenn’s sein muss.“

      „Ich war mit meiner viel zu jungen Freundin Tina unterwegs in Köln, um ins Kino zu gehen. An der Kasse rannte ich vor und rief zurück: ‚Ich lade dich ein!‘, damit sie nicht sah, dass ich auf meinen Ausweis eine Altersermäßigung bekommen würde. Ein Mann zeigte uns den Weg zum Kino. Da waren zwei. Versehentlich stellte ich mich beim falschen Film an, bemerkte aber flott meinen Irrtum. Ich wähnte Tina hinter mir, aber als ich mich von der falschen Eingangsschlange abwandte, war sie nicht da. Offenbar war sie mal wieder zu klug gewesen, hatte direkt gesehen, dass dies das falsche Kino war und war zum richtigen gegangen. Ich eilte zum richtigen, sah sie aber nirgends. Unterwegs gabelte ich eine ältere Platzanweiserin auf. Sie war bestrebt mir zu helfen. Am richtigen Kino riss man meine Karte ab, und ich ging hinein. Dort sah ich Tina auch nicht. Ich fragte die Platzanweiserin, ob sie eine Durchsage machen könne. Sie verneinte, das könne nur die Frau im Eiskeller. Dieser Eiskeller hatte ein aus Klinkern gemauertes Tonnengewölbe, war mehr eine Röhre, in dem einige Leute in Stuhlreihen saßen und auf ein Bett an der rückwärtigen Wand blickten. Darin lag die Frau. Sie war blass und schnatterte. ‚Das hier ist der Eiskeller!‘, sagte sie wie zur Erklärung. Das wusste ich ja schon, ich war ja ausdrücklich hergekommen. Ich sagte: ‚Ich vermisse meine Freundin. Können Sie bitte eine Durchsage machen!‘ Sie sagte: ‚Nein, das kann ich nicht.‘

      Ich hatte nichts anderes erwartet. Wie sollte das auch gehen aus dem Krankenbett heraus. Also stieg ich die Stufen wieder hinauf zum Foyer. Die Platzanweiserin schaute mich entschuldigend an und sagte: ‚Ihre Freundin wird gewiss das tun, was man in den Medien bei RTL und überall rät, zurückzugehen zu dem Punkt, wo man sich verloren hat.‘

      RTL also. Ich hätte nie gedacht, dass vom Drecksfernsehen mal die Rettung käme, machte mich aber auf den Weg zum besagten Punkt. Er führte mich durch ein verwinkeltes Neubaugebiet. Plötzlich kam Tina um die Ecke, sah im Augenblick sehr gestresst und alt aus. Wir sanken uns in die Arme. ‚Lass uns das vergessen und wieder zusammenspannen‘, sagte Tina. Das war klug. Ich strich ihr über die blaugefärbten Haare und fand, dass ein grauer Schleier darüber lag. Wir gingen zum Kino, und ich hoffte, der Film hätte noch nicht angefangen.“

    Ich schaue die Zugbegleiterin an, die inzwischen im Sitz zusammengesunken war. „Können Sie mir den Traum deuten?“
    „Nein“, sagt sie, „aber ich glaube, Sie ticken nicht richtig.“
    „Dann ist es quasi amtlich?“

Der Berufstourist und die Frau mit den Bandscheiben – Wahrer Bericht von einer Forschungsreise

Hätte er einen Globus und wäre darauf jedes Land, das er bereits besucht hat, rot eingefärbt, dann gäbe es kaum noch andere Farben als Rot, also nur wenig von ihm unberührtes Land. Sein exzessiver Tourismus hat über die umweltschädliche Komponente hinaus eine sozial extrem schädliche Seite, ausufernde Erlebnisberichte, mit denen er jedes Gespräch unterdrückt, ja unmöglich macht. Am Ende der Tischreihe waren gut sechs Personen gezwungen, ihm zuzuhören. Selten wagte jemand anderes, das Wort zu ergreifen. Es gab aber auch kaum Gelegenheit dazu. Man musste brutal in eine Atempause hineingrätschen, was ja immer den Charakter eines Gewaltakts hat. Was derweil im Kopf dieses Berufstouristen vorging, wäre zu erwägen. Gab es eine bewusste Meta-Instanz in seinem Kopf? Dachte er auch nur einen Augenblick darüber nach, wie verheerend seine Agieren für die Gesprächskultur war? Vermutlich nicht. Auf die Frage, ob er in letzter Zeit so etwas wie Flugscham empfunden hatte, sagte er ohne nachzudenken: „Nö.“

Es musste also eine unbewusste Meta-Instanz geben, eine, die ihm Sinnfragen ersparte, ja, sogar brutal unterdrückte, was Zweifel hervorrufen könnte. Seine erzwungenen Zuhörer waren ihm nichts als blanke Gesichtsflächen für seine Projektionen. So erstaunte er beim Händeschütteln zum Abschied mit der Aussage: „Schön, dich nochmal gesehen zu haben.“ Was bedeutete das? Etwa: “Schön noch einmal uneingeladen auf deiner inneren Bühne getanzt zu haben?“ Ein Kollege sagte später, es erstaune ihn das Selbstbewusstsein, mit der der Berufstourist seine banalsten Erlebnisse raumgreifend vortrug. Aber geht es hier nicht weniger um Selbstbewusstsein als um einen psychischen Defekt? Da er doch alles andere ist als sich selbst bewusst. Glaubt der Mann tatsächlich, man reise von überall her heran, um seine Berichte zu hören? Nein. Er denkt nicht darüber nach, ergreift nur die Gelegenheit, seiner inneren Leere zu entkommen. Nicht einmal das käme ihm nah. Warum innere Leere?, würde er denken. Ich bin doch randvoll mit Erlebnissen. Aber die Einsicht fehlt. Es fehlt das geistige Durchdringen. Er ist nur ein Depp mit einem vollgestempelten Reisepass.

Einer wie er müsste schreiben, müsste schreibend eine Schar imaginäre Leserinnen vor Augen haben und könnte sich dann in aller Ruhe ausbreiten. Schon als wir noch Kollegen waren, bin ich nach allen Ferien vor ihm geflohen. Einmal erwischte er mich doch. Als er anhub zu erzählen, sagte ich: „Schreib das bitte für unser Jahrbuch auf!“ Das tat er auch, und es waren wirklich zwei schöne Reiseberichte. Einer ging über die Mönchsrepublik Athos,eine Halbinsel, auf der keine Frauen geduldet sind, auch keine weiblichen Haustiere. Der andere hieß: „Stirb nie in Surigao!“, was ich nicht im Traum vorhatte und tunlichst auch an anderen Orten vermeiden werde.

In Duisburg besteigt eine voluminöse Dame den ICE und nimmt schnaufend den Sitz hinter mir ein, wozu sie ihre Nachbarin erst hochscheuchen muss, um auf ihren reservierten Fensterplatz zu gelangen. Dann schimpft sie los, weil es ihr nicht gelingt, den Sitz nach hinten zu kippen: „Ich kann unmöglich so sitzen – mit meiner Hüfte, den Bandscheiben und meinem Rücken.“ Ich bin schon genervt. „Die Bandscheiben habe ich ja von meiner Mutter bekommen.“ Gewiss als Weihnachtsgeschenk, ach nein, sie sind ererbt. Bald unterbreitet sie der wildfremden Frau neben sich die gesundheitlichen Probleme ihrer 84-jährigen Mutter. Ich schätze mich glücklich, daran partizipieren zu dürfen. Als sie zwischendurch mitteilt, ihr Mann habe sich nach 38 Ehejahren von ihr scheiden lassen, frage ich mich, warum so spät? Ihre ausführlichen Einlassungen über Art und Konsistenz von Brötchen und welchen Belag sie zu gewissen Tageszeitungen bevorzuge und vehement ablehne, wären für mich ein Grund, eine Stinkbombe zu zünden und mich aus dem Staub zu machen. Leider habe ich keine bei mir und weiß auch nicht, ob ich woanders einen freien Fensterplatz finde. Also muss ich mich fügen. Derweil telefoniert sie ungerührt mit ihrer Schwiegertochter, wo sie zu Besuch gewesen war, obwohl der Wagon ein ausgewiesener Ruhebereich ist. Es geht um Enkelin Carolina. „Hat Carolina noch lange geweint, als ich weg war?“
„Nein, es ging gleich in fröhliches Lachen über, als du um die Ecke warst.“

An der unreflektierten Selbstbezüglichkeit und der viel zu höflichen Duldung wird diese Welt zugrunde gehen.

Reizwortgeschichte – Tee aus der Feldflasche

In dem fremden Dorf in der Ebene hätte ich niemals so einen steilen Anstieg vermutet. Er tat sich auf, als wir nach langer Wanderung den Dorfplatz überquert hatten und nach rechts in eine Gasse einbogen. Urplötzlich stieß die Gasse bolzengerade himmelwärts, gepflastert mit groben Kopfsteinen, und zwar mit einer starken Wölbung in der Mitte und zu den Seiten abfallend. „Pardauz! Ein Kuriosum, das ich hier nicht erwartet hätte!“, rief Coster. Das Kopfsteinpflaster schien wie der Panzer einer uralten Schildkröte. In ihrer Wölbung taten sich mörderisch breite Fugen auf, und ich bedauerte jeden Radfahrer, der diese Gasse würde befahren wollen. Von „wollen“ dürfte keine Rede sein, denn als wir ein wenig himmelan gestiegen waren, taten sich Felder auf. An einem hölzernen Masten am Wegesrand klebte ein Plakat, aus dem hervorging, dass just an diesem Abend um 20 Uhr der Giro d’Italia vorbeikommen würde. Ich geriet in Verzückung, stellte mir vor, wie das Peleton über dieses Kopfsteinpflaster hinwegfliegen würde, dachte an die verzerrten Gesichter ausgemergelter Männer, konnte aber bei meinen Weggefährten keine Begeisterung wecken. Einem tropfte plötzlich das Blut vom Finger. Die Ursache seiner Verletzung hatte ich nicht mitbekommen, und man beschloss zurückzugehen. Ich hätte also allein im Dorf bleiben müssen, um die Stunden bis 20 Uhr zu überbrücken. Weiterlesen

Versinkende Wörter beim Schopf gepackt

Dass Wörter außer Gebrauch kommen, versinken und vergessen werden, ist ein normaler Vorgang bei lebendigen Sprachen. Kaum jemand kennt heute noch: Zungenziegel, Nachtleiche, Biermörder oder mein Lieblingswort Eulenflucht. Diese Wörter waren einmal im Gebrauch und geläufig. Nachfolgende Generationen werden nicht mehr kennen: Pfennig und Groschen, Ärmelhalter oder Bandsalat, Wörter, die mit dem Sachbereich verschwinden. Weil unser Wortschatz aufgeschrieben ist, können versunkene Wörter wieder gehoben werden, so etwa Commerz, was noch in Commerzbank steckt. Der Duden hatte es ausgemustert, weils nirgendwo mehr verwendet wurde. In den 1960-er Jahre tauchte das Wort in der Wendung „Kunst und Kommerz“ wieder auf. Wir können also etwas gegen das Verschwinden mancher Wörter tun, solange sie den Wortschatz noch bereichern und die eigene Diktion saftiger machen. Versinkende oder aussterbende Wörter, die wir unbedingt weiter verwenden sollten [Bedeutung evtl. googlen]:

Afterweisheit = Schein-, Pseudoweisheit,
allda = ebenda, dort,
ausfenstern = ausschimpfen,
Beinkleid = Hose,
bolzengerade,
Bubenstück,
charmieren,
Nachtgeschirr,
nitschewo = macht nichts,
Ohrenbläser,
pardauz,
poussieren.

Ich bitte darum, mit mindestens fünf Wörtern der Liste eine Reizwortgeschichte zu schreiben und im eigenen Blog zu veröffentlichen, wobei die Reihenfolge der Wörter beliebig ist. Verlinke hierhin und sende mir bitte den Link zu deinem Text. Ich freue mich auf eure Texte und werde eine Linkliste anlegen, so dass wir nachschauen können, welche Wörter sich noch bolzengerade in den heutigen Sprachgebrauch einfügen. Meine eigene Reizwortgeschichte folgt um 00:01 Uhr. Liste der Reizwortgeschichten:

Über Wörter aus Namen, über versinkende und niemals gesprochene Wörter

Im Bad fällt mein Blick auf ein Wort, das ich noch nie ausgesprochen habe und auch nie aussprechen werde. Ja, ich kann mir vorstellen, dass es in ganz Deutschland niemanden gibt, der das tut, obwohl das Wort im deutschen Sprachraum präsent ist. Wie immer, wenn man über Kleinigkeiten nachdenkt, tut sich ein ganzes Universum auf, hier das besonderer Wörter. Vorab: Das deutsche Substantiv teilt sich in Name und Klassenbezeichnung. Unser Wortschatz enthält jedoch einige Wörter, die aus Namen abgeleitet sind [Deonyme], beispielsweise:

Litfaßsäule – nach dem Berliner Buchdrucker Ernst Litfaß,
Algorithmus – nach dem arabischen Universalgelehrten Al-Chwarizmi
Röntgenstrahlen – nach dem Physiker Physiker Wilhelm Conrad Röntgen,
Saxophon – nach dem belgischen Instrumentenbauer Adolphe Sax,
Pauli-Effekt – nach dem theoretischen Physiker Wolfgang Pauli, in dessen Gegenwart experimentelle Apparaturen versagten oder spontan zu Bruch gingen,
Sütterlin – nach dem Berliner Grafiker Ludwig Sütterlin – deutsche Schreibschrift aus dem Jahr 1914, oft fälschlich als Klassenbezeichnung für Kurrent, die Schreibschrift der Fraktur.

Es gibt auch Produktnamen, die zu Klassenbezeichnungen werden, meistens weil sie lange Zeit ein Alleinstellungsmerkmal hatten, etwa:

Tesafilm – Klebeband der Beiersdorf AG,
Tempo – Papiertaschentuch der Vereinigten Papierwerke AG. Die Produkterfinder Oskar und Emil Rosenfelder wurden von den Nationalsozialisten gezwungen, ihr Unternehmen zu verkaufen, das mit Hilfe der Deutschen Bank von Gustav Schickedanz (Quelle) übernommen wurde,
Pampers – Höschenwindel des US-Unternehmens Procter & Gamble,
Walkman – Mobiles Kassettenabspielgerät der Firma Sony,
Rapidograph – ein Tuschefüller der Firma Rotring,
Letraset – Anreibeschriften des gleichnamigen britischen Unternehmens.

Die drei Letztgenannten gehören zur Liste der versinkenden Wörter, weil sie von der technischen Entwicklung überholt worden sind.

Mindestens ein Jahr wunderte ich mich, dass der REWE-Supermarkt beim Lindener Hafen komplett anderes eingerichtet ist und ein anderes Sortiment hat als der REWE-Supermarkt an der Limmerstraße. Bis ich bemerkte, dass der Laden am Lindener Hafen nicht REWE, sondern REAL heißt. Der Irrtum war meiner Nachlässigkeit gegenüber der Namensgebung von Läden geschuldet. Ich lese die Ladenschilder nur flüchtig oder gar nicht. Entsprechend meine Verwunderung über diese Namenwörter, die kaum ein Mensch kennt oder je ausgesprochen hat:

Akuta,
Conradl,
Mucci,
Schovit,
Sölde,
Ursi,
Mildeen.

Welches Wort gab mir den Denkanstoß und was bedeutet es? (Bitte nicht googeln!)